|
von Nadine Frey – Sprecherin im Vorstand von AUF Witten
Was lange Zeit schon fast ein Tabu-Thema war, wird nun wieder immer häufiger erfolgreich eingesetzt – Tarifstreik. Die Lokführer haben im letzten Jahr vorgemacht, wie es geht. Das hat Wellen geschlagen auch bis nach Witten.
Nach nur vier Tagen Streik – dieser aber konsequent – haben die Kollegen bei Mercedes Lueg einen Haustarifvertrag erstritten und dabei alle ihre Forderungen durchgesetzt. Auch der Wittener Betrieb an der Dortmunder Straße war mit dabei.
Wie kam es zu der schnellen Einigung?
Ein großes Plus in der Tarifauseinandersetzung war die große Geschlossenheit der Mitarbeiter. Mit einem Ergebnis von 96,7 % haben sich bei der Urabstimmung fast alle für den Streik ausgesprochen! Das wurde dann auch an den vier Tagen Streik deutlich.
Besonders wichtig: Neben dem geforderten Haustarifvertrag und den Lohnerhöhungen wurde auch eine Klausel vereinbart, die arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen die am Streik beteiligten Kollegen ausschließt.
Auch Lufthansa-Streik zeigte Wirkung
Stellte die Lufthansa zu Beginn des Arbeitskampfes noch die Auswirkungen als harmlos und nicht der Rede wert dar, wurde doch ziemlich schnell deutlich, welche Wirkung der Streik auf den Konzern hatte. Bereits am zweiten Streiktag fielen über 70 Flüge aus, die Lufthansa geht selbst davon aus, dass sich der Flugplan erst zwei Wochen nach Streikende wieder normalisiert.
Am fünften Tag ging der Lufthansa die Puste aus und man einigte sich auf einen Kompromiss. Was durchzusetzen gewesen wäre, wenn die Kollegen noch etwas weiter gemacht hätten – das sei mal dahin gestellt.

Lohnforderungen Modeerscheinung?
Nein, mit Sicherheit nicht. Wer arbeiten geht, hat in der Regel nur die eigene Arbeitskraft zu verkaufen. Lohn oder Gehalt müssen zum Leben reichen – mehr gibt’s nicht!
Deshalb müssen sich die Lohnforderungen auch an den Lebenshaltungskosten orientieren, eben an dem, was nötig ist. Vor allem die Grundnahrungsmittel, Benzin, Gas und Strom – also die Dinge, die das tägliche Leben ausmachen – sind im letzten Jahr wieder enorm teurer geworden.
Unter dem Gesichtspunkt sind Forderungen nach Lohnerhöhungen von zehn bis 15 % nicht übertrieben sondern entsprechen dem realen Bedarf, um den Lebensstandard halten zu können.
Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich
Deshalb macht auch eine Arbeitszeitverkürzung nur bei vollem Lohnausgleich Sinn, denn auch hier gilt, dass man von der Arbeit leben können muss.
Mit der Produktivitätssteigerung ist eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich schon mehrfach bezahlt. Heute wird für dieselbe Produktion weniger als die Hälfte der Arbeitszeit gebraucht als Anfang der 1990er Jahre.
Mit der Einführung einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich würden in Deutschland rechnerisch 6,4 Millionen Vollzeitarbeitsplätze entstehen!
International zusammenhalten
Das ist eine Forderung, die man mit Sicherheit nicht in einer Stadt allein durchsetzen kann. Das muss mindestens bundesweit einheitlich geschehen, besser noch Europa- und weltweit!
Trotzdem könnte die Stadt Witten als einer der größten Arbeitgeber in Witten als Pilotprojekt eine solche Arbeitszeitverkürzung einführen. Davon hätte sie sogar selber etwas, denn jede neu geschaffene Stelle bedeutet eine Familie weniger, die von Hartz‑IV und sonstigen Leistungen leben muss, und gleichzeitig einen mehr, der wieder Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge bezahlt.
Um uns selbst müssen wir uns selber kümmern!
Getreu diesem Motto kann jede Belegschaft, die für ihre Sache kämpft, auf die Unterstützung von AUF Witten bauen!
|