Spielplatz Gemeindeneck/Bebbelsdorf

Kategorie: kinderfreundliches Witten
Veröffentlicht: Freitag, 1. November 2013
Geschrieben von Agathe Czylwick
Agathe Czylwick setzt sich für eine Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein
Agathe Czylwick setzt sich für eine Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein

Wie sich die Stadt aus der Verantwortung stehlen will

von Agathe Czylwick, Mitglied im Frauenverband Courage e.V. Witten

Seit Monaten wehren sich die Anwohner berechtigt gegen die Schließung des Spielplatzes Gemeindeneck in Annen, der wie viele andere Spielplätze in Witten als Bauland verkauft werden soll, um die klamme Kasse der Stadt zu sanieren. Weil sie nicht klein beigeben, hat die Stadt den Anwohnern - großzügig wie sie ist - einen Pachtvertrag angeboten. Doch der ist meilenweit davon entfernt, was die Eltern schultern können.

Nicht zumutbar

Für nunmehr auf sieben Jahre beschränkt sollen sie monatlich 168 € aufbringen und zusätzlich für die Prüfung von Bäumen und Spielgeräten aufkommen. Allein letzteres wäre nicht finanzierbar, wohingegen die Eltern zur Pflege und Instandhaltung bereit wären mit einer Pacht von höchstens 30 € pro Monat für 10 Jahre.

Angeblich hätte die Verwaltung geprüft, ob eine Einigung erzielt werden könne, aber die bisherigen Fakten sprechen dafür, dass sich die Stadt aus fiskalischen Gründen einfach aus der Verantwortung stehlen will.

Spielplatzoffensive?

Immer wieder neue Generationen von circa 20 Kindern aus dem Bereich Bebbelsdorf/Gemeindeneck spielen hier regelmäßig seit Jahrzehnten. Wo sollen sie künftig hin? Auf den nahegelegenen Friedhof?
Immer wieder neue Generationen von circa 20 Kindern aus dem Bereich Bebbelsdorf/Gemeindeneck spielen hier regelmäßig seit Jahrzehnten. Wo sollen sie künftig hin? Auf den nahegelegenen Friedhof?

Um ihre kinder- und jugendfeindliche Politik zu vertuschen, hat sie ein 220 Seiten starkes Konzept einer „Wittener Spielplatzoffensive“ entwickelt.

Danach sollen 16 ausgewählte Wittener Spielplätze mit maximal 350.000 € jährlich erneuert werden, dafür aber zwei Drittel der bisherigen Spielflächen komplett aufgegeben werden.

Die Stadt will dafür 150.000 € pro Jahr selbst bereitstellen, der größte Teil soll aus Spenden von Bürgern kommen.

170 Herbeder Grundschüler sammelten bei einem Spendenlauf Geld für Klettergerüst und Schaukeln. So wird die Begeisterungsfähigkeit der Kinder und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung schamlos ausgenützt, um die Kosten auf sie abzuwälzen.

„Sachzwänge“ ein schlechtes Vorbild

Schützenhilfe erhält die Stadt ausgerechnet vom Kinder- und Jugendparlament. In seiner Stellungnahme heißt es, das Spielflächenkonzept sei „unter intensiver Beteiligung der Wittener Kinder“ zustandegekommen, die auch darüber entschieden hätten, dass der Spielplatz am Gemeindeneck zu den „nicht mehr unbedingt erforderlichen Flächen“ gehöre.

Den Befürwortern des Erhalts dieses Spielplatzes werfen sie vor, „Einzelinteressen über das Gemeinwohl“ zu stellen. Gleichzeitig wird gerechtfertigt, dass der Stadt gar keine andere Möglichkeit bliebe, auch Spielflächen als Bauland zu verkaufen, um den Haushalt zu sanieren.

Offensichtlich ist es den Verantwortlichen der Stadt gelungen, die Denkweise angeblicher „Sachzwänge“ auch dem Kinder- und Jugendparlament ein zu impfen.

Mit der Denkweise „kein Geld da“ ist es „alternativlos“, dass beim Normalbürger gespart wird und dass die Interessen von Kindern und Jugendlichen zurückstehen müssen, während z.B. die Zahlung von jährlich 15 Millionen € Zinsen für die Banken ein absolutes Tabu ist, an dem nicht gerüttelt werden darf.

Anstatt die Kreativität und Begeisterungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen zu fördern, werden sie von den Stadtoberen zum Nachplappern sogenannter „Sachzwänge“ erzogen und dazu gedrängt, „freiwillig“ auf die Sanierung aller Wittener Spielplätze auf Kosten der Stadt zu verzichten.

Die Elterninitiative spricht dagegen in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten, dass der Ausverkauf von Spielplätzen zu einem gesamtdeutschen Problem geworden ist“. An dieser Haltung sollte sich das Kinder- und Jugendparlament doch eher ein Vorbild nehmen!