Aufwandsentschädigung für Arbeit

Kategorie: Montagsdemo und Hartz IV Leserbriefe
Veröffentlicht: Samstag, 8. November 2014
Geschrieben von U.W., Witten

Auch in Dortmund wird seit über 10 Jahren jeden Montag gegen Hartz IV demonstriert.
Auch in Dortmund wird seit über 10 Jahren jeden Montag gegen Hartz IV demonstriert.

Nach einer Weile der Arbeitslosigkeit und einem krisengeschüttelten Leben, wurde ich über das JobCenter in den Verein Mitmenschen e.V. vermittelt, zur Erprobung meiner Belastbarkeit.

Das Ganze ist eine sogenannte AM - Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung. Dafür bekomme ich 1,50 Euro pro Stunde.

Von den Arbeitsbedingungen her kann man sich eigentlich nicht beklagen, die Stimmung ist gut, herzlich und offen. Wohnungsauflösungen, Renovierungsvorbereitungen, Schrott auseinander nehmen, Hauswirtschaft - das sind die Haupttätigkeiten.

Dabei handelt es sich um den sog. 2. Arbeitsmarkt, für Menschen mit Behinderungen und psychischen wie physischen Problemen.

Interessant ist dabei jedoch, dass bei der Maßnahme von „Mehraufwandsentschädigung“ gesprochen wird. Und mehr ist es auch tatsächlich nicht.

Ohne Tätigkeit ist man oft viel zu Hause, braucht folglich auch nicht so viel zu essen, wie wenn man arbeitet. Aber Arbeit erfordert, dass man dem Körper mehr Nahrung zuführt, Folge sind also Mehrkosten. Der gezahlte Betrag ist genau so hoch, dass es für den Monat so gerade eben dann reicht, vielleicht sind dann noch hier und da ein paar kleine Freizeitaktivitäten zusätzlich drin.

Somit geht man eigentlich viel eher unentgeltlich arbeiten, weil man davon nicht wirklich etwas hat. Man kann davon nicht leben, sich auch keine neuen Geräte oder Möbel leisten oder andere Anschaffungen vornehmen, die vielleicht nötig wären.

Tragisch ist es für diejenigen, die kaum belastbar sind oder durch Behinderungen nur wenig arbeiten können. Als wären sie nicht dadurch schon genug bestraft, wird ihnen hiermit die Armut per Gesetz verschrieben.

Gleichzeitig wird mit den AM bestätigt, dass der Hartz IV Satz vorne und hinten nicht zum Leben reicht, sondern nur mehr eine Notversorgung ist, damit man nicht verhungert.

Umso wichtiger ist es, dagegen zu kämpfen. Die Montagsdemo bietet dazu jede Woche die Gelegenheit. Das offene Mikrofon ermöglicht eine offene Diskussion, man kann seine Anliegen mitteilen und wenn nötig, wird auch Unterstützung organisiert.

Hartz IV ist und bleibt vorgeschriebene Armut! Deshalb:

Weg mit Hartz IV - dafür mindestens die Wiedereinführung der alten Sozialhilfe! Kommt zur Montagsdemo, jede Woche um 17 Uhr auf der Bahnhofstraße/Ecke Nordstraße!

U.W., Witten

Witten im AUFbruch 4/2014