Zeit zu kämpfen!

Kategorie: Montagsdemo und Hartz IV
Veröffentlicht: Samstag, 3. August 2013
Geschrieben von Ulrich Wagner
Ulrich Wagner ist seit 2004 aktiver Montagsdemonstrant.
Ulrich Wagner ist seit 2004 aktiver Montagsdemonstrant.

von Ulrich Wagner, Mitglied im Vorstand von AUF Witten

Seit nunmehr neun Jahren wird jeden Montag in Deutschland demonstriert, in immer noch über 100 Städten. Das sind neun Jahre Widerstand gegen Hartz IV im Besonderen, aber vor allem für eine menschenwürdige Gesellschaft. Nach neun Jahren stellt sich die Frage, ob man nicht langsam aber sicher müde wird. Ganz gewiss kein Zeichen von Müdigkeit ist auf der Wittener Montagsdemo zu spüren - im Gegenteil: Jeden Montag werden immer neue Gründe geliefert!

Immer wieder kommen neue Fälle ans Tageslicht. Bei einem jungen Pärchen ist der Mann von heute auf morgen aufgrund einer Verletzung von der Zeitarbeitsfirma entlassen worden. Er fand nach relativ kurzer Zeit wieder Arbeit und begann 3 Tage vor Monatsende. Das Arbeitslosengeld I wurde aufgrund der Arbeitsaufnahme eingestellt. Nun fehlt für die nächsten zwei Monate das Geld für Miete, Strom, Auto und Essen.

Da findet jemand also Arbeit, hat fast nichts mehr zu Essen und steht mit einem Bein auf der Straße, weil er Arbeit aufgenommen hat.

Gehorche und alles ist gut? Das muss nicht sein!
Gehorche und alles ist gut? Das muss nicht sein!

In einem anderen Fall beim JobCenter Witten sollte eine sog. Kundin an einer Maßnahme teilnehmen. Diese umfasste 5 Tage pro Woche 6 Stunden Arbeit. Es sollte gestrickt, genäht und gehäkelt werden. Sie selbst hätte gerne die Zeit genutzt, sich einen vernünftigen Job zu suchen, indem sie in Geschäfte und Betriebe in ganz Witten geht. So erhält sie nichts dafür und wenn sie nicht zur Maßnahme geht, wird die Leistung gekürzt.

Das erweckt den Eindruck, dass der eigene Kampf um einen Arbeitsplatz nicht erwünscht ist. Das Beispiel Opel Bochum (siehe dazu Seite 3) aber zeigt, dass man um die Entscheidung für den Kampf nicht herum kommt. Ist es nicht die größte Sorge von Konzernen und Regierung, dass die Menschen massenhaft auf die Straße gehen? Und zwar nicht nur für Arbeitsplätze, sondern, wie auf unserem Montagsdemo-Transparent steht: Für eine menschenwürdige Gesellschaft!?

Davon sollen Sie abgehalten werden. Dass man Sie fertig macht, passt genau dazu! Kultur- und Freizeitaktivitäten werden für Sie tabu und so eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu einer immer größeren Hürde. Viel lieber sollen Sie sich nur noch darum sorgen, dass sie am Monatsende noch irgendwo etwas zu Essen herkriegen.

Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, dann sollen Sie zum Arzt gehen und sich auf Depressionen untersuchen lassen. Dieser verschreibt Ihnen gerne ein Medikament, das Sie ruhig stellt. Da kann man den alltäglichen Psychoterror wohl besser ertragen?!

So erging es einem Diabetes-Erkrankten beim JobCenter EN. Er erhielt 6 Monate nicht einen Cent an Leistungen. Trotz eindeutiger Nachweise, dass er nicht in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, wurde ihm genau dieses unterstellt.

Das ganze ging so weit, dass er es nach langem Kampf geschafft hat, über das Landesgericht Dortmund eine Eilentscheidung zu erwirken, um die gesamten Leistungen zu erhalten.

Aber auch hier reagierte das JobCenter nicht. Im Gegenteil hat das JobCenter versucht, die Eilentscheidung aufheben zu lassen. Ein Skandal erster Güte!

Die traditionelle Herbstdemo in Berlin ist ein Muss im Kampf gegen Hartz IV!
Die traditionelle Herbstdemo in Berlin ist ein Muss im Kampf gegen Hartz IV!
Und so müssen kranke Menschen zusehen, dass sie nicht draufgehen.

Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen? Auf einen Superhelden oder einen Stellvertreter, der alles zu Ihren Gunsten umdreht - darauf können Sie lange warten! Drehen Sie den Spieß doch mal um: Stellen sie diejenigen an den Pranger, die Sie erst in diese Situation gebracht haben.

Genauso wenig wie Sie sich in privaten Dingen vorschreiben lassen, was Sie zu tun und zu lassen haben, sollten sie es sich im gesellschaftlichen Leben und in der Politik gefallen lassen!

Es ist höchste Zeit aufzustehen und in Bewegung zu kommen. Wenn Sie wollen, dass mehr Menschen auf die Straße gehen, dann kommen Sie doch zu unserer Montagsdemo, denn auch Sie sind gefragt, wenn mehr Menschen auf die Straße sollen.

Die Gelegenheit bietet sich jeden Montag in Witten um 17 Uhr an der Nordstraße. Im Anschluss geht es dann noch zum gemeinsamen Kaffeetrinken.

Eine ganz besondere Gelegenheit ist die jährliche Herbstdemo in Berlin. Gemeinsam mit benachbarten Montagsdemos organisieren wir einen Bus nach Berlin zu einem unschlagbar günstigen Preis, damit auch jeder mitfahren kann.

Herbstdemonstration

am Samstag, 19. Oktober 2013

in Berlin

Informationen zur Fahrt und Demo:

und bei AUF Witten

 

Witten im AUFbruch 3/2013