Zur Berichterstattung in der WAZ über die Protestkundgebung der Montagsdemo vor dem Rathaus am Dienstag, 13.10.15

Kategorie: Internationale Solidarität
Veröffentlicht: Mittwoch, 14. Oktober 2015
Geschrieben von Montagsdemo Witten

Die für die Berichterstattung über die Protestkundgebung der Montagsdemo verantwortliche Redakteurin Susanne Schild kommt in ihrem Kommentar großzügig zum Schluss, „so eine Demonstration hat in der Ruhrstadt durchaus ihre Berechtigung.“ Gleichzeitig aber macht sie Stimmung gegen die Organisatoren von der Montagsdemo und ihre „skurrilen Veranstaltungen“.

Den „Kurden und Türken“ gibt sie den Rat: „Stellt euren Protest lieber auf eigene Beine.“

Wie kommt sie dazu, den kurdischen und türkischen Mitbewohnern solche Belehrungen zu erteilen? Hält sie sie für unfähig, selbst zu entscheiden, mit wem sie zusammen arbeiten?

In ihrem Eifer entgeht ihr, dass Zülfü Altunok als der von ihr bezeichnete „Organisator“ regelmäßig an der Montagsdemo teilnimmt, ebenso wie einige seiner kurdischen und türkischen Freunde.

Schon am 15. November 2014 führte die Montagsdemonstration Witten nach einem entsprechenden Aufruf der Bundeskoordination der Montagsdemobewegung mit rund 150 Teilnehmern in der Bahnhofstraße eine Veranstaltung „Solidarität mit Kobanê“ durch. Darüber gab es in der WAZ keinen Bericht, aber zu lesen war die Prognose, der IS würde Kobane demnächst erobern. Wir dagegen sagten, dass Kobanê das „Stalingrad für den IS“ sein würde – und so ist es auch gekommen. Zülfü Altunok war an diesem Tag per Smartphone direkt aus Kobanê zugeschaltet, Romeo Frey hatte den Kontakt hergestellt. In Witten war das die einzige derartige Aktion.

Dass die Montagsdemo auf eine von ihr angemeldete Kundgebung ihr Haupttransparent mitbringt, ist ja wohl nichts Ungewöhnliches. Da ist es schon böswillig, wenn Frau Schild das als „Zirkus“ bezeichnet, nur weil auf dem Transparent Forderungen gegen Hartz-IV stehen. Denn die Hauptforderung lautet: „Für eine menschenwürdige Gesellschaft!“ Das passte wohl nicht zum behaupteten „Zirkus“ und wurde deshalb von Frau Schild schlichtweg ignoriert.

Auch die „Info“, dass Romeo Frey irgendein Brechtlied gesungen hat, passt in die betriebene Stimmungsmache der Willkür und Beliebigkeit. Dem Leser wird vorenthalten, dass es das weltbekannte Solidaritätslied war. Welches Lied könnte denn besser passen?

Die Lokalredaktion, die solche Entgleisungen durchgehen lässt, muss sich fragen lassen, was sie eigentlich daran stört, wenn sich aktive Bürger seit nunmehr 11 Jahren standhaft Woche für Woche bei der Montagsdemo gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen. Die tendenziöse Stimmungsmache in dem Kommentar wird nicht verhindern können, dass die Montagsdemo weiter an Bedeutung gewinnt. Die Protestkundgebung gegen die Verschleppung der Familienzusammenführung durch das Ausländeramt und faktische Verweigerung der Akteneinsicht durch beauftragte Anwälte seit vielen Wochen war schon lange vorbereitet und beschlossen. Wir standen durch den faschistischen Bombenanschlag in Ankara vor der Frage, zusätzlich noch eine weitere Protestkundgebung zu organisieren oder die Kräfte zu bündeln. Zumal die meisten Anwesenden, die zur Solidarität mit den Asylbewerbern eingeladen waren, auch gegen den Anschlag auf die Friedensdemonstration in Ankara Stellung beziehen wollten.

Insgesamt war diese Demonstration keine kurdische oder türkische Veranstaltung, sondern ein gelungener weiterer Schritt zur politischen Zusammenarbeit von Wittenern unterschiedlichster Herkunft und politischer Richtung einschließlich von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Dafür steht auch der Beitrag des Ratsmitglieds von AUF Witten, Achim Czylwick, der sich für die Familienzusammenführung anerkannter Asylbewerber ausgesprochen hat. Auch das wird in dem Bericht ignoriert.

Die Montagsdemo steht für den Kampf um eine solidarische und menschenwürdige Gesellschaft. Unsere Forderungen sind hochaktuell angesichts der bestehenden, nicht gelösten Probleme.