Samstag, 19. Mai 2012

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Zweierlei Maß

Leserbriefe
Samstag, den 27. November 2010

Seit Frühjahr sieht man städtische Angestellte, vor allem Frauen, in roter Arbeitskleidung und eine graue Mülltonne schiebend durch unsere Stadt laufen. Sie sammeln umherliegenden Abfall und sollen Verschmutzungen beseitigen. Auf der Erde liegend bzw. kniend zupfen sie, lediglich mit Gummihandschuhen ausgerüstet, oder entfernen gar mit eigenem Teppichmesser, Grünbewuchs aus Pflasterfugen. Eine Möglichkeit zur hygienisch sauberen Aufbewahrung persönlicher Gegenstände gibt es an der Tonne nicht. Lebensmittel werden in einem Stoff- oder Plastikbeutel außen an der Mülltonne hängend mitgeführt. In der Tonne Hundekot und Müll!

Für die hier angesprochenen Mitarbeiter scheint ein menschenwürdiger Arbeitsplatz mit Ausstattung üblicher Arbeitsmittel nicht möglich. Aus Kostengründen? Da wird bei der Stadt offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. So ist unsere Bürgermeisterin, Frau Sonja Leidemann, eine begeisterte Liebhaberin schicker Dienstwagen. Vor allem immer das neueste Modell. Seit ihrem Dienstantritt 2004 hat sie bereits 4 Fahrzeuge mit 5 verschiedenen Zulassungsschildern ausprobiert. Natürlich haben Größe und Ausstattung der Dienstfahrzeuge stetig zugenommen. Nach Nutzung zweier BMW-Modelle ist sie seit einigen Monaten im Besitz eines sportlichen Mercedes der gehobenen E-Klasse, welchen Sie nun absolut nicht zur Repräsentation der Stadt Witten und Wahrnehmung ihrer Aufgaben als Verwaltungschefin benötigt. Deshalb wird der Wagen selbstverständlich auch privat genutzt. Muss sich die Bürgermeisterin hier nicht den Vorwurf machen lassen, dass mit dem tollen Dienstwagen auch persönliche Bedürfnisse befriedigt werden, zu Lasten der Wittener Bürger und natürlich auch der Straßenfeger? Da passt es doch wunderbar ins Bild, dass der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Witten, Thomas Richter, kürzlich wieder populistisch zur „Sauberkeit in unserer Stadt“ aufgerufen hat. Hat er etwa damit die menschenunwürdig beschäftigten Straßenreinigungskräfte gemeint? Da könnte er doch seinen vollmundigen Äußerungen einmal Taten folgen lassen und den vorgenannten Straßenfegern eine menschenwürdige Arbeitsausstattung spendieren. Das wäre nicht nur ganz im Sinne seiner sozialpolitischen Gesinnung, das würde ihn auch finanziell nicht überfordern angesichts seines überdurchschnittlichen Jahreseinkommens als einfacher Sachbearbeiter bei den Stadtwerken Witten in Höhe von rund 60.000 Euro und rund 25.000 Euro Aufwandsbeträgen aus politischen Tätigkeiten. Wenn man aber nach den Gründen für das dreckige Erscheinungsbild unserer Stadt fragt, sind die erwähnten begünstigten Personen schnell bei der Hand, dies allein den Bürgern oder gewissen Personenkreisen anzulasten: Die eigene Unfähigkeit, Desinteresse und organisatorische, personelle und strukturelle Mängel in der Verwaltung bleiben außen vor. Der desolate Zustand der 750.000 Euro-Bushaltestelle am Rathaus spricht für sich. Deutlich sichtbare Verschmutzungen, gar Grasbewuchs auf dem Dach scheinen städtische Mitarbeiter, Frau Bürgermeisterin eingeschlossen, nicht zu interessieren - trotz unmittelbarer Nähe und freier Sicht. Mit den Sprüchen für eine saubere Stadt lenkt man vom eigenen Versagen ab, siehe Stadtbad, Stadtbücherei, Villa Lohmann, öffentliche Straßen, Schulen, usw.

Um uns selbst müssen wir uns selber kümmern – dieses Motto von AUF Witten gibt die richtige Antwort. Ich sage nur: macht weiter so!

Name der Redaktion bekannt

Dieser Leserbrief ist aus unserer Zeitung Witten im AUFbruch 4/2010: