Samstag, 19. Mai 2012

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Kann ein Azubi Karriere machen?

Ausbildung
Donnerstag, den 01. Mai 2008

Ulrich Wagner - Mitglied im Vorstand von AUF WittenWelche Perspektiven die Jugend heute hat

von Uli Wagner, Mitglied im Vorstand von AUF Witten
Groß gefeiert von der Bundesregierung wird der offizielle Rückgang der Arbeitslosigkeit und die zeitgleiche Erhöhung der Ausbildungsstellen. Auf den ersten Blick sieht das gut aus: Mehr Menschen haben Arbeit, die Jugendlichen hängen weniger auf der Straße herum, usw. In Witten ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen. Was aber steckt wirklich dahinter und wie sieht es mit der Perspektive nach der Ausbildung aus? Im Auftrag der Redaktion von "Witten im AUFbruch" habe ich mich etwas näher mit der Situation in Witten befasst.

Nur 63 Jugendliche ohne Arbeit?

Der Arbeitslosenstatistik für Witten zu Folge hatten im Februar 2008 nur 63 Jugendliche unter 20 Jahren keine Arbeit. Diese niedrige Zahl würde bedeuten, dass nahezu jeder Jugendliche eine Ausbildungsstelle hat. Der Bildungsreport 2007 des Landes NRW spricht eine andere Sprache:

Mehr Schüler als Azubis

Karriere Werkstatt - Hier sollen Azubis Karriere machen... (Lehrwerkstatt von DEW)2006 gab es ca. 210.000 Schulabgänger,die ihr Abitur oder andere Abschlüsse erlangt haben, wogegen nur ca. 120.000 Ausbildungsverträge am Stichtag 30.9.2006 abgeschlossen wurden. Natürlich muss sich jeder selbst entscheiden, was er nach der Schule machen will. Bei einer Befragung in Basel von 2005, warum Jugendliche keine Lehre machen wollten, gab die Mehrheit der Befragten als Gründe an:

schlechte Aussichten

  • die Suche nach einer Lehrstelle sei sehr schwierig und
  • die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt seien schlecht.
Die Jugendlichen haben damit Recht, denn in derselben Umfrage wird ausgewertet, dass gerade einmal ca. 50 % eine feste Anstellung nach der Lehre bzw. dem Übernahmejahr haben, ca. 30 % eine Übergangslösung (z.B. Leiharbeit) haben und der Rest arbeitslos wird.

Übernahme...

...aller Azubis entsprechend der Ausbildung und eine 10%ige Ausbildungsquote in der Großindustrie und zwar unbefristet kann daraus nur die Konsequenz sein. Dadurch würden sämtliche Jugendliche einen Ausbildungsplatz erhalten und ihnen danach ein Arbeitsplatz über einen zumindest längeren Zeitraum ermöglicht.

Karriere machen?

Da ist es schon fast ein Skandal, dass die „Deutschen Edelstahlwerke“ (DEW) ihre Lehrwerkstatt von „Ausbildungszentrum Ruhr“ in „Karriere Werkstatt“ umbenennen. Statt einer Ausbildung sollen die Azubis dort also Karriere machen. Was hat das mit Karriere zu tun, wenn man nach der Ausbildung auf der Straße sitzt? Wenn die Azubis schon Karriere machen sollen, dann bin ich dafür, dass DEW alle Azubis unbefristet übernimmt und eine 10%ige Ausbildungsquote in ihrem Betrieb schafft – das wären ca. 160 Ausbildungsplätze!
Der Arbeitslosenstatistik nach müsste dann tatsächlich fast jeder Jugendliche eine Ausbildung haben. Ebenso kann die Stadt mit gutem Beispiel voran gehen und nochmals so viele Ausbildungsplätze schaffen.

Perspektive?

Die Stadtverwaltung kümmert sich herzlich wenig, um der Jugend eine Perspektive zu bieten. Aber wenn es um Aufträge in Millionenhöhe für Großkonzerne geht, versucht sie dies mit aller Gewalt durchzusetzen.

Organisieren

Gegen diese Umverteilungspolitik von unten nach oben müssen wir uns zum gemeinsamen Kampf zusammenschließen, denn nur so können wir etwas erreichen.
Kämpfen wir gemeinsam um eine Perspektive für die Jugend und setzen unsere Interessen durch, getreu unserem Motto:

Um uns selbst müssen wir uns selber kümmern!