Samstag, 19. Mai 2012

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Jugend braucht Perspektive

Ausbildung
Freitag, den 01. Februar 2008

Gedanken zur Diskussion über "Jugendkriminalität"Ulrich Wagner - Mitglied im Vorstand von AUF Witten

von Uli Wagner, Mitglied im Vorstand von AUF Witten
"Die Jugend von heute..." soll kriminell und schwer erziehbar sein, so Noch-Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Seine aggressive Kampagne zur Landtagswahl in Hessen gegen Jugendliche und Ausländer wurde allerdings von der großen Mehrheit der Wähler abgelehnt.

CDU abgestraft

Die Wähler durchschauten das durchsichtige Manöver von Koch, einen krassen Vorgang in München zu verallgemeinern und damit Wahlkampf in Hessen zu machen. Er wollte einer erwarteten Wahlniederlage vorbeugen und von seiner eigenen katastrophalen Jugendpolitik ablenken.
Am besten alles abreißen und eine schöne Jugendstrafanstalt hinbauenDiese Rechnung ging nicht auf – auch in Hessen gibt es eine zunehmende Tendenz der Wähler nach links.

Neue Initiativen

Der menschenverachtende, lebensgefährliche Angriff der Münchner Schläger auf einen Rentner ist durch nichts zu rechtfertigen. Das sieht auch eine Mehrheit der Jugendlichen so. Die Jugendkriminalität ist sogar nachweislich zurückgegangen, wie Sozialarbeiter, Lehrer und Jugendpsychologen bestätigen. In vielen Schulen entwickeln sich Initiativen von Schülern, mit Aggressionen richtig umzugehen und zu lernen, Konflikte sachlich und konstruktiv auszutragen.

Gesellschaftliche Ursachen bekämpfen

Woher kommen solche Zuspitzungen? In aller erster Linie fehlt den Jugendlichen eine Lebensperspektive. Auch brauchen sie eine Erziehung zu solidarischem Umgang miteinander. In unserer Gesellschaft wird die Konkurrenz geschürt und der persönliche Ehrgeiz, auf Kosten anderer Karriere zu machen, propagiert. In Fernsehsendungen wie Deutschland sucht den Superstar wird das millionenfach unter der Jugend verbreitet. Auch in der Gewerkschaft gibt es führende Leute, die verbreiten "Hauptsache, unser Standort wird erhalten", anstatt den solidarischen Kampf um Arbeitsplätze und bessere Lebensbedingungen über Werks- und Ländergrenzen hinweg zu organisieren. Sowird das Spiel der Konzernbosse widerstandslos mitgemacht, die Arbeiter in Konkurrenz zueinander zu treiben.

Jugendpolitik ???

In Witten werden ortsnahe Jugendhäuser und Fußballplätze geschlossen, dafür sollen die Jugendlichen zu nur noch drei Stellen in Annen, Heven und Zentrum kommen. Das kann nicht funktionieren.
Schulen wie die Kronenschule, die als eine der ersten Schulen in Deutschland die europaweite Auszeichnung "Schule gegen Rassismus" erhalten hat, wer­den geschlossen. Trotz "Bedauern" der Ratsmehrheit ist Fakt, dass sich von diesen Herren keiner für Hauptschüler einsetzt. Dagegen hat AUF Witten eindeutig Stellung bezogen und den Erhalt der Kronenschule, wie auch der Durchholzer Grundschule gefordert.

Für kleinere Klassen!

Das Argument rückläufiger Schülerzahlen ist ein Armutszeugnis für jeden, der das in den Mund nimmt. Denn die Pisa-Studie und die Vielzahl frühpensionierter Lehrer weisen doch eindeutig darauf hin, dass man endlich kleinere Klassen haben müsste, in den vernünftig und nachhaltig gearbeitet werden kann. Da sind doch 10 Prozent weniger Schüler eine gute Möglichkeit, das endlich mal anzupacken.

Zweierlei Azubis

Jeder kennt das. Man muss über hundert Bewerbungen schreiben, um überhaupt eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen. Ob's die Stelle dann gibt, ist fraglich. Ich habe mit Jugendlichen gesprochen, die vom Arbeitsamt in die Lehre vermittelt wurden. Das Arbeitsamt bezahlt gerade mal die Hälfte der Ausbildungsvergütung eines regulären Azubis. Dazu kommen noch längere Arbeitszeiten. Wie soll man so aus dem "Hotel Mama" ausziehen und selbstständig im Leben Fuß fassen?
Trotzdem ist jeder froh, überhaupt eine Ausbildungsstelle zu haben. "Ich war es leid, ständig zu Hause rumzugammeln. Du kannst ja nichts machen. Die einen sind arbeiten, die anderen in der Schule. Weggehen kannst du auch nicht, weil dir das Geld dafür fehlt. Was soll ich in der Zeit machen? Ist doch klar, dass man irgendwann ‚neue Herausforderungen’ sucht, um etwas ‚Spaß’ zu haben." – so ein Azubi aus der von der DEW wieder übernommenen "Karriere Werkstatt".

Diese Politik bietet keine Zukunft! Sie verpulvert lieber sinnlos Gelder für Rüstung und Kriege. Natürlich liegt es an jedem Jugendlichen selbst, ob er auf Kosten anderer Spaß hat oder nicht. Wer wirklich eine Perspektive haben will, der sollte sich in AUF Witten organisieren und gemeinsam mit uns um eine andere Politik kämpfen. Politik kann man ändern, die Verhältnisse auch! Darum selbst aktiv werden!