Stadtwerke: Aufbruch oder weiterer Abschwung? |
| Preispolitik | ||
| Donnerstag, den 18. Februar 2010 | ||
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Die Stadtwerke haben einen neuen Geschäftsführer: Uwe Träris (45), gelernter Banker, seit fünfeinhalb Jahren kaufmännischer Geschäftsführer der Energie- und Wasserwerke Bautzen. Er folgt Leo Mating, Ex-Leiter der Stadtwerke Herne, der vor einem Jahr eingesprungen war, als der Zeitvertrag (fünf Jahre) mit Marlies Mathenia nicht verlängert wurde. Diese Blitzaktion zur Reaktivierung eines Pensionärs war in der Energiewirtschaft wohl ein beispielloser Vorgang und verdeutlichte das Versagen des Aufsichtsrates unter Vorsitz der Bürgermeisterin, eine rechtzeitige, vorausschauende und nachhaltige Personalpolitik zu betreiben. Ob man diesmal ein besseres Händchen hat? Wünschen zumindest kann man dem neuen Geschäftsführer alles nur erdenklich Gute!Vor ihm steht die Aufgabe in einer absolut kritischen Situation, die Stadtwerke aus dem Tal der Ahnungslosen und Glückseligen zu führen und gewisse Begünstigte aus dem Paradies zu entfernen.
AhnungslosWeder unter Frau Mathenia noch unter Herrn Mating erfolgte eine erkennbare wirtschaftliche Weiterentwicklung der Stadtwerke: Stillstand und somit Rückschritt offenbarten sich 2008 in einer bedenklichen wirtschaftlichen Schieflage, die zuerst von AUF Witten beim Namen genannt und öffentlich gemacht wurde.
Die zugrunde liegenden gravierenden Personal- und Unternehmensführungsprobleme sowie eine Häufung bedenklicher Privilegien haben ihre Ursache in einem Versagen des Aufsichtsrates unter Führung des jeweiligen SPD-Bürgermeisters.
Auch die von den anderen Wittener Ratsfraktionen delegierten Aufsichtsratsmitglieder haben dem Treiben untätig oder gar ahnungslos (?) zugeschaut, während Versuche von Ratsmitgliedern wie Achim Czylwick (AUF Witten) Einsicht zu nehmen und Bürgerbeschwerden über mangelnde Kontrolle und Parteienklüngel nachzugehen, kompromisslos von der Bürgermeisterin abgeschmettert wurden.
Die aufgedeckten Missstände sind nicht erst gestern entstanden, sondern rühren wohl aus der Amtszeit (1993 bis 2003) des damaligen Geschäftsführers Dieter ten Eikelder (SPD).
Falls der neue Geschäftsführer wirklich seinen Job im Interesse der Wittener Einwohner erledigt, wird es wohl noch bis Mitte 2011 dauern, bis er wirklich in alle Vorgänge eingearbeitet und somit auch handlungsfähig ist.
Währenddessen bezieht Frau Mathenia über ca. fünf Jahre monatliche Übergangszahlungen von den Stadtwerken, sofern sie keine neue adäquate Anstellung findet. Sie hinterlässt verschiedene Ahnungslose:
So arbeitet sich derzeit ein vertriebsunerfahrener Prokurist in den Vertrieb ein. Ein sachgebietsfremder Abteilungsleiter soll das einzige Kerngeschäft der Stadtwerke Witten, den Energievertrieb, voranbringen. Wie viel Zeit soll denn noch verschlafen werden mit der Ausbildung vertriebsunerfahrenen Führungspersonals? Andere Stadtwerke setzen hoch motiviertes, gut ausgebildetes Fachpersonal ein, dass neue Kunden gewinnt, anstatt zu verlieren.
Warum das so ist? Weil die Personalführung nicht nach dem Prinzip arbeitet, die jeweils Fähigsten mit den Aufgaben zu betrauen, sondern darauf bedacht ist, Pöstchen für Günstlinge zu schaffen. AUF Witten liegen verschiedene Belege vor über unglaubliche Mobbingvorgänge, die nicht in die breite Öffentlichkeit gelangten. Zum Teil wurden den Betroffenen Bezüge ohne Arbeitsleistung gewährt, um sie mundtot zu machen.
Der Preis dafür ist ein Klima der Einschüchterung und Inkompetenz, und das ist keinesfalls in vergleichbaren Stadtwerken genauso.
GlückseligDie Stadtwerke Herne in unserer unmittelbaren Nachbarschaft erwirtschafteten 2008 einen Gewinn von 12,07 Mio. €. Die Stadtwerke Witten dagegen mit 1,26 Mio. € nur ein Zehntel davon.
In Wahrheit ist das Ergebnis negativ, weil neutrale Erträge in Höhe von 1,4 Mio. € eingerechnet sind, die gar nicht erwirtschaftet wurden.
Ungeachtet dieser Realität wird den Wittener Bürgerinnen und Bürgern wider besseren Wissens die „Erfolglosigkeit“ verschwiegen. Öffentlichkeitswirksam wäre das erst ab einer zehnfachen Größe an glaubhaft. werden Dinge wie die Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage als Erfolgsprojekte herausgestellt, die in heutiger Zeit bei der gewählten Größenordnung schon für Normalanwender gängiger Standard sind. Wollten die Stadtwerke wirklich eine alternative Energiequelle betreiben wäre das erst ab einer zehnfachen Größe an glaubhaft.Auch die Objektbeleuchtung Burgruine Hardenstein oder die finanzielle Beteiligung an Kraftwerks- bzw. Gasspeicherprojekten wird gerne herausgestellt.
Dabei aber verschwiegen, dass letztgenannte Projekte von der eigenständigen Gesellschaft Trianel geplant, errichtet und betrieben werden, die Stadtwerke Witten lediglich Gesellschaftsanteile und daraus resultierende Gewinnansprüche erwerben - eine banale Investition. Sach- und Fachkompetenz sind hierfür nicht erforderlich.
Eine Geringschätzung in der ewmr, Ausstieg aus der Netzgesellschaft nmr, kritische Bewertung durch umliegende Stadtwerke, Fehlen von marktgerechten und wettbewerbsfähigen Produkten, etc. werden selbstherrlich ignoriert - welche Glückseligkeit.
Paradiesisch In zurückliegenden Ausgaben unserer Zeitung „Witten im AUFbruch“ haben wir mehrfach auf die seit Jahren bestehenden Auffälligkeiten wie unangemessene Jahresgehälter und Leistungen an einen gewissen Begünstigtenkreis hingewiesen.Den beiden Prokuristen S. und A. werden immer noch fragwürdige Vergütungen und Leistungen nach Richtlinien des Beamtengesetzes sowie eine steuerfreie Erstattung der Arbeitnehmerbeiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung gewährt, obwohl sie die beamtenrechtlichen Voraussetzungen eindeutig nicht erfüllen.
Des Weiteren repräsentative Dienstfahrzeuge mit kostengünstigster, umfassender privater Nutzung, jährliche Leistungsprämien von ca. 2.500 €, 50%-iger Rabatt auf den privaten Energieverbrauch – was sich auf rund 10.000 € als angenehme Zulage zu den üppigen Jahresgehältern von ca. 90.000 € aufsummiert.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Witten erhält als Angestellter und einfacher Sachbearbeiter bei den Stadtwerken ein Spitzeneinkommen von ca. 65.000 € wie ein Akademiker.
Auch der Übergangs-Geschäftsführer Leo Mating wurde von dem allgemeinen paradiesischen Klima infiziert. Hat er noch bei Dienstantritt zum 01.02.2009 auf ein Dienstfahrzeug verzichtet, bekommt er jetzt kurz vor seinem Ausscheiden ein personenbezogenes Dienstfahrzeug gestellt, welches er selbstverständlich mit seinem Ausscheiden privat übernehmen kann.
Dabei erfolgt die Anschaffung des Dienstfahrzeuges durch die Stadtwerke mittels günstigen Leasingvertrags, welcher mit Auflösung seines Geschäftsführervertrages vom Privatmann Mating dann übernommen wird. Somit gelangt dieser geräuschlos zu einem angenehm günstigen privaten Wunsch-PKW.
In heutiger Zeit, wo Arbeitnehmern wegen dem Verzehr zweier betriebseigener Frikadellen sogar mit dem Segen hoher Arbeitsrichter gekündigt werden kann, sind solche paradiesischen Zustände für einige wenige in keinster Weise akzeptabel.
Auch ohne die gewährten Privilegien brauchen sich die betreffenden Stadtwerkemitarbeiter um ihr Auskommen keine Sorgen zu machen – ganz im Gegensatz zu vielen ihrer Kunden.
Witten braucht seine StadtwerkeFür AUF Witten gibt es zu Stadtwerken, die im Eigentum der Kommune stehen und allein dafür da sind, um gute und preiswerte Leistungen für den Verbrauchen anzubieten, keine Alternative. Privatisierung ist keine Lösung und mit uns nicht zu machen.
Aber wenn die Misswirtschaft bei den Stadtwerken so weiter geht, werden diese nicht nur weiter treue Kunden verlieren, sondern auch irgendwann mal von der Konkurrenz gefressen. Als Goldesel für einige Privilegierte und Paradies für die Glückseligen mit den richtigen Beziehungen jedenfalls sind die Stadtwerke nicht zu halten.
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In zurückliegenden Ausgaben unserer Zeitung „Witten im AUFbruch“ haben wir mehrfach auf die seit Jahren bestehenden Auffälligkeiten wie unangemessene Jahresgehälter und Leistungen an einen gewissen Begünstigtenkreis hingewiesen.