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Stadtwerke: Innovative Energiekonzepte: Fehlanzeige

Preispolitik
Donnerstag, den 02. September 2010
Von Romeo Frey – Sprecher im Vorstand von AUF Witten
Mit Pressemitteilungen und in Artikeln der Lokalpresse möchten die Stadtwerke Witten gerne den Eindruck eines innovativen, zukunftsorientierten Energieversorgers vermitteln. Besonders wird dabei eine große Kompetenz in Bezug auf regenerative Energiegewinnung und –nutzung herausgestellt. Doch wie ist die Realität?
Beispiel: Nutzung der Wasserkraft. Auch die Stadtwerke Witten haben mittlerweile erkannt, dass diese Art der Stromerzeugung umweltschonend ist. Mit einem ortansässigen Unternehmen wurde ein Stromlieferungsvertrag abgeschlossen. Als Anlieger der Ruhr besitzt dieses Unternehmen, wahrscheinlich seit Jahrhunderten, Wassernutzungsrechte und hat, unter anderem zur Deckung des eigenen Energiebedarfs, irgendwann ein Wasserkraftwerk errichtet.

Grüner Strom für die Wittener?

Angeblich wird von den Stadtwerken die komplette Stromproduktion aus diesem Wasserkraftwerk abgenommen und in das eigene öffentliche Stromversorgungsnetz eingespeist, schenkt man den Jubelberichten in der Presse Glauben.
Oder vielleicht doch nicht? Erfolgt möglicherweise überhaupt keine Ein­speisung? Tatsache ist: die erzeugte Strommenge aus dem Wasserkraft­werk wird lediglich zur optischen Ver­schönerung der elektrischen Energie-Bezugsmixstruktur der Stadtwerke Witten eingesetzt. Die erzeugte Ener­giemenge wird ausschließlich im Unternehmen selbst genutzt.
Bekanntlich wird seit Jahren die Stromgewinnung aus regenerativen Energiequellen mit erheblichem finanziellen Aufwand öffentlich gefördert bzw. diese sind Bestandteil der Energie-Preise und gehen letztendlich zu Lasten der Verbraucher.
Für den aus regenerativen Energie-erzeugungsanlagen in das öffentliche Netz eines Energieversorgers eingespeisten Strom ist daher ein um ein vielfach höheres Entgelt zu entrichten, wie der Versorger bei Abgabe an seine Kunden erwirtschaftet.
Deshalb ist zur Zeit die Abgabe von aus regenerativen Anlagen erzeugtem Strom sehr lukrativ. Zumal der jeweilige örtliche Netzbetreiber gesetzlich zur Abnahme verpflichtet ist.
Da nun das hier betreffende Unternehmen im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Witten ansässig ist, sind diese zwangsläufig verpflichtet, den produzierten Strom abzunehmen, d.h. über den elektrischen Energieanschluss des Unternehmens in das öffentliche Stromnetz der Stadtwerke Witten aufzunehmen. Ein Eigenverbrauch durch den Anlagenbetreiber wäre unwirtschaftlich.
Wie jeder Unternehmer deckt er stattdessen seinen Strombedarf durch Abnahme vom günstigsten, wettbewerbsfähigsten Marktanbieter. Das können auch die Stadtwerke Witten sein.

Eine PR-Aktion

Einen Nachweis über die Weitergabe des Ökostroms an den Wittener Bürger aber gibt es nicht. Es scheint sich lediglich um eine PR-Aktion zu handeln, um ein vermeintliches Umweltbewusstsein der Stadtwerke Witten wirkungsvoll zu vermitteln.
Hier von Bereitstellung „grünen Stroms“ für die Wittener Bürger zu sprechen ist peinlich. Erfolgt doch lediglich ein bilanztechnischer Austausch des im Wasserkraftwerk erzeugten „grünen Stroms“ gegen den „normalen Strom“ der Stadtwerke.

Fakt ist auch, dass der benötigte elektrische Energieverbrauch des hier angesprochenen Unternehmens um ein vielfaches höher ist, als die im Wasserkraftwerk erzeugte Strommenge von ca. 4,5 Mio. kWh im Jahr, sodass er den Ökostrom selbst verbraucht, ohne auf die Extraeinnahmen aus der Verrechnung des teuren Ökostroms verzichten zu müssen.

Vorzeigeprojekte?

Großsprecherisch ist auch die Darstellung der Photovoltaik-Anlagen der Stadtwerke Witten. Im Vergleich zu anderen Stadtwerken fallen die in Witten verbauten Dimensionen eher mickrig aus. Auch haben diese Unternehmen einen Erfahrungsvorsprung von Jahrzehnten.
Nun wollen die Stadtwerke in naher Zukunft eine Bio-Gasanlage betreiben, selbstverständlich mit einem Partner. Fehlen etwa für den eigenständigen Betrieb Kompetenz, Fach- und Führungspersonal?
Zudem soll die Planung, Ausschreibung und Errichtung dem Ennepe-Ruhr-Kreis überlassen bleiben. Auch hier gibt es Versorgungsunternehmen, die seit langem mit dieser zukunftsorientierten Technologie vorhandene Ressourcen umweltschonend nutzen.

Führungsprobleme

Voraussetzung hierfür sind verantwortungsbewusst denkende und agierende Geschäftsführer und eine Sach- und Fachkompetenz von Führungskräften. Hier mangelt es, wie allseits bekannt, seit Jahrzehnten bei den Stadtwerken Witten.
Innovativ und einfallsreich waren bzw. sind Geschäftsführung und gewisse leitende Angestellte der Stadtwerke nur bei ihrer eigenen Versorgung mit unüblich üppigen und fragwürdigen Vergütungen und Leistungen. Immer noch wird mit luxuriösen Dienstfahrzeugen mit kostengünstigster privater Nutzung herumgefahren. Immer noch gibt es eine steuerfreie Erstattung der Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung. Viele Beispiele haben wir in dieser Zeitung mehr als einmal angeprangert.

Darin liegt auch der Grund, weshalb die Entwicklung innovativer und zukunftsorientierter Energie-Versorgungskonzepte und leistungsstarker, effizienter Unternehmensstrukturen mit Schaffung neuer Wertschöpfungspotentiale blockiert ist. Ein ganzes System der gegenseitigen Förderung von Günstlingen zu Lasten wirklich gut qualifizierter Mitarbeiter erzeugt Personal- und Führungsprobleme und einen mittlerweile gravierenden Mangel an Sach- und Fachkompetenz.

So wurde bereits in den 1980er Jahren von innovativen und wirtschaftlich bewussten Stadtwerkeunternehmen mittels umfangreicher Kraft-Wärmekopplungs­anlagen eine effiziente Energieausnutzung be-trieben. Bei den Stadtwerken Witten hingegen wurden die wenigen Anlagen, wie im Stadtbad, ersatzlos abgebaut. Oder wie im Hallenbad Vormholz infolge fehlender Fachkompetenz durch Brandeinwirkung zerstört.
Auch um das Nahwärmeversorgungsgebiet Bommerfelder-Ring wurden massive Kundenbeschwerden bekannt, u.a. bezüglich überhöhter Wärmepreise.

Energiepreise

Seit Jahren thematisiert AUF Witten die Höhe der Energie- und Wasser-Tarife der Stadtwerke Witten, was viele Wittener in erheblichem Maße belastet. Das wurde erst kürzlich in der WAZ durch Vergleich der Wasser- und Abwassergebühren in Städten des Ruhrgebietes eindrucksvoll bestätigt.

Die Überteuerung der Energie- und Wasserpreise in erheblichem Umfang haben ihre Ursache unter anderem in nachweislich überhöhten, völlig unangemessenen Vergütungen und absolut fragwürdigen Leistungen und Privilegien an einen gewissen Angestelltenkreis.

So wurde dem bei den Stadtwerken angestellten SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas R. als einfacher Sachbearbeiter ein üppiges Jahressalär von ca. 60.000 € gewährt. Zusätzlich der übliche ca. 50%-ige Rabatt auf den privaten Energieverbrauch.
Angebote wie Car-Sharing konnten nur mit Unterstützung von externen Unternehmen aufgenommen werden und sind mittlerweile wieder eingeschlafen. Auch die Erdgas-Nutzung in Kraftfahrzeugen wurde erst aufgegriffen, als innovativ kundenbewusste Stadtwerke diese bereits anforderungsgerecht eingeführt hatten.
Peinlich, die Herren aus der Geschäftsleitung der Stadtwerke Witten meiden bisher eine Nutzung von Erdgas-Fahrzeugen. Bei einer überwiegend privaten Nutzung von. bis zu 90% scheinen wohl die nutzungstechnischen Einschränkungen zu unangenehm zu sein. Dass dieser Spaß erheblich teurer ist als Erdgas, scheint sie wohl nicht zu stören. Wird doch die Betankung mit Benzin im vollen Umfang von den Stadtwerken Witten getragen, letztendlich zu Lasten der faktischen Eigentümer der Stadtwerke Witten, den Wittener Bürgerinnen und Bürgern.

Fazit und Ausblick

Die vielen öffentlichkeitswirksam dargestellten „Regenerative Energiegewinnungs- oder –nutzungsmaßnahmen“ der Stadtwerke Witten erweisen sich bei näherem Hinsehen schlichtweg als billige PR-Gags.
AUF Witten ist aber überzeugt, dass im Potential des Personals der Stadtwerke die zur Entwicklung und Umsetzung eigen-ständiger Projekte erforderliche fachliche und führungsmäßige Qualifikation entweder vorhanden ist oder herangebildet werden kann. Dazu müssen aber die vorhandenen Günstlingsstrukturen und Privilegien abgeschafft und der Förderung geeigneten Nachwuchses der Vorrang gegeben werden.
Das wäre nicht nur eine Herausforderung für den Aufsichtsrat unter Führung der Bürgermeisterin, hier endlich mal Transparenz herzustellen und eine effektive Aufsicht zu verwirklichen.

Das würde sich auch positiv im Portemonnaie der Wittener Kunden auswirken und wäre darüber hinaus auch eine Zukunftschance für die Jugend.

Dieser Beitrag entstammt aus Witten im AUFbruch 3/2010: