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Montagsdemo feiert 8-jähriges

Kategorie: Montagsdemo und Hartz IV Archiv
Veröffentlicht: Samstag, 25. August 2012
Geschrieben von Ulrich Wagner
Ulrich Wagner ist langjähriger Montagsdemonstrant. Der Kampf um eine menschenwürdige Gesellschaft liegt im besonders am Herzen.
Ulrich Wagner ist langjähriger Montagsdemonstrant. Der Kampf um eine menschenwürdige Gesellschaft liegt im besonders am Herzen.

von Ulrich Wagner, Mitglied im Vorstand von AUF Witten

Am Montag, den 6. August 2012 wurde das 8-jährige Jubiläum der Montagsdemo gefeiert. Mit einem Tango Argentino, Liedaufführungen von Norbert Ruppik und Romeo Frey, Diskussionsbeiträgen und anschließendem Sekt wurde gefeiert. Heute bestätigt sich mehr als je zuvor, dass die Gründung der Bürgerbewegung genau richtig war. Schließlich ist durch die Hartz Gesetze nicht nur das Lohnniveau um 30% in Deutschland gesunken, während Konzerne jedes Jahr neue Rekordprofite erzielen. Gleichzeitig nahmen die sozialen und gesundheitlichen Probleme ebenfalls zu.

Hartz-Gesetze Sozial?

Als die Hartz-Gesetze und insbesondere Hartz IV eingeführt wurden, war der Unmut der Bevölkerung groß. Und das völlig zurecht. Alle Voraussagungen, dass Hartz IV die Situation vieler Arbeitsloser verschlechtert und keine Arbeit schaffen wird, haben sich bestätigt. Dennoch versucht die Bundesregierung mit Hilfe von Statistiken das Gegenteil zu beweisen.

Ratsmitglied Achim Czylwick von <i>AUF Witten</i> versteht sich als Sprachrohr für die Wittener Bevölkerung. Auch er ist regelmäßig dabei.
Ratsmitglied Achim Czylwick von AUF Witten versteht sich als Sprachrohr für die Wittener Bevölkerung. Auch er ist regelmäßig dabei.

Angeblich gäbe es heute 2 Millionen Arbeitslose weniger. Sicherlich mag es einige geben, die durch Hartz IV Arbeit bekommen haben, aber war das nicht auch schon vorher der Fall?

Die Situation ist die, dass die meisten durch die Hartz-Gesetze entstandenen Jobs Minijobs, 1 Euro Jobs, 400 Euro Jobs, verstärkte Leih- und Zeitarbeit, usw. sind. Die regulären Arbeitsverhältnisse, von denen man auch leben kann, haben dagegen abgenommen. Dazu wurden die Löhne gedrückt. Das bestätigt das gesunkene Lohnniveau, dass 30% niedriger ist als vor Einführung der Gesetze.

Heute gilt auch als Nicht-Arbeitsloser, wer unbezahlter Praktika macht, zur Schule geht um seinen Abschluss nachzuholen, in einer Maßnahme ist, usw. und dabei Hartz IV bezieht.

 

Minijobber ein Gewinn für die Gesellschaft?

Ex-Kanzler Gerhard Schröder bezeichnet im Interview mit der Bild-Zeitung die 2 Millionen weniger Arbeitslosen als Gewinn für die Gesellschaft. Das trifft am ehesten auf die Gesellschaft der Reichen zu und nicht die der Bevölkerung.

Hier werden schließlich weiterhin Milliardenprofite erzielt. Wurde den Menschen doch früher verklickert, dass es nur der Wirtschaft gut gehen müsse, damit es auch der Bevölkerung gut geht, so zeigt sich nun, wie es tatsächlich ist.

Menschen sehen sich genötigt in den Städten Pfandflaschen aus Mülleimern zu sammeln, um ein paar Euros mehr in der Tasche zu haben. Die Lebensmittelpreise steigen unaufhaltsam, die Leistungen für Gesundheit werden immer teurer, Medikamente sind nahezu unbezahlbar für einen Normalsterblichen.

Gesundheitliche Probleme wie psychiatrische Erkrankungen nehmen seit Jahren deutlich zu, Familien stehen vor einer Zerreißprobe. Vielen wird durch das geringe monatliche Geld jegliche Teilnahme am Kultur- und Freizeitleben verwehrt.

Nach 8 Jahren Montagsdemo sind die Teilnehmer kein bisschen müde geworden. Sie sammeln auf jeder Montagsdemo neue Motivation, denn jede Woche werden neue Gründe geliefert, warum die Hartz-Gesetze vom Tisch müssen.
Nach 8 Jahren Montagsdemo sind die Teilnehmer kein bisschen müde geworden. Sie sammeln auf jeder Montagsdemo neue Motivation, denn jede Woche werden neue Gründe geliefert, warum die Hartz-Gesetze vom Tisch müssen.

Alternativen gefragt

Die Hartz-Gesetze betreffen nicht nur die Arbeitslosen, sondern gleichermaßen die arbeitende Bevölkerung. So als Druckmittel, jemanden zu jeder Art von Arbeit zu zwingen und auf Rechte zu verzichten, nur um nicht in Hartz IV zu landen.

Deshalb beharrt die Montagsdemobewegung auf ihrer Forderung, dass die Hartz-Gesetze abgeschafft werden müssen. Stattdessen könnte man mit der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich gut 6 Millionen Arbeitsplätze schaffen.

Durch die zusätzliche Abschaffung der Überstunden würden noch einmal zusätzlich eine Million Arbeitsplätze geschaffen werden. Einzig die Großunternehmer müssten auf ihre Extra-Profite verzichten.

Norbert Ruppik war einer der Montagsdemonstranten der ersten Stunde. Jedes Jahr reist er aus Bielefeld an, um seine aussagekräftigen Lieder aufzuführen und mit uns zu feiern. Vielen Dank!
Norbert Ruppik war einer der Montagsdemonstranten der ersten Stunde. Jedes Jahr reist er aus Bielefeld an, um seine aussagekräftigen Lieder aufzuführen und mit uns zu feiern. Vielen Dank!

Als in den 80er Jahren für die 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich in der Metallbranche 6 Wochen lang gestreikt wurde, wurden dieselben Argumente vorgebracht wie heute, nämlich dass das nicht finanzierbar sei. Doch deshalb ist kein einziges Unternehmen pleite gegangen.

Die positiven Folgen für die Bevölkerung wären, dass Menschen etwas mehr zur Ruhe kommen könnten, mehr Zeit hätten, sich um ihre Familien zu kümmern, sich engagieren könnten und wesentlich gesünder blieben.

Schließlich wurde in einer Studie nachgewiesen, dass sich gesundheitliche und psychische Schädigungen noch auf viele Generationen auswirken.

Machen Sie mit!

Der von Achim und Agathe Czylwick aufgeführte Tango Argentino wurde in Ar-gentinien während der Militärdiktatur verboten. Die Argentinier haben sich dennoch nicht unterkriegen lassen und weiter getanzt. Er ist Ausdruck des Protests gegen Unterdrückung und Ausbeutung.
Der von Achim und Agathe Czylwick aufgeführte Tango Argentino wurde in Ar-gentinien während der Militärdiktatur verboten. Die Argentinier haben sich dennoch nicht unterkriegen lassen und weiter getanzt. Er ist Ausdruck des Protests gegen Unterdrückung und Ausbeutung.

Nach 8 Jahren Montagsdemo sind wir immer noch kein bisschen müde. Es gab für uns genug Anlass das zu feiern. Hier lassen wir die Bilder für sich sprechen und möchten Ihnen etwas mit auf dem Weg geben:

Es mag zwar so aussehen, als wären wir nicht viele und als hätten wir nichts zu tun, aber das Gegenteil ist der Fall. Sie und Ihre Freunde wollen menschenwürdig leben können? Dann haben Sie nur eine Wahl:

Kämpfen Sie dafür! Schließen Sie sich uns an, stärken wir uns gegenseitig den Rücken und bringen wir zum Ausdruck, was wir wollen: Eine lebenswerte Gesellschaft mit Perspektive!

Jeden Montag um 17 Uhr an der Nordstraße!

Witten im AUFbruch 3/2012