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60 Euro für 50 Quadratmeter

Kategorie: Montagsdemo und Hartz IV Leserbriefe Archiv
Veröffentlicht: Montag, 20. Februar 2012
Geschrieben von U.W., Witten
Bürokratie ohne Ende von der Wiege bis zur Bahre
Bürokratie ohne Ende von der Wiege bis zur Bahre

Es ist das erste Mal, dass ich meine Wohnung renovieren möchte. Dadurch dass ich Grundsicherung erhalte, muss ich natürlich auch Leistungen hierfür beantragen, weil ich mir das logischerweise so nicht leisten kann. Ich habe Leistungen für Wandfarbe, Heizkörperlack, Spachtelmasse, Tapete und neuen Teppichboden beantragt. Die ersten drei wurden mir genehmigt mit einem Betrag von 60 Euro.

Ich habe eine 50 m² Wohnung. Für die Farbe habe ich 35 Euro bekommen, 15 Euro für Heizkörperlack und 10 Euro für Spachtelmasse. Schaut man sich einmal die Verhältnisse an, so frage ich mich, auf welcher Grundlage diese Zahlen berechnet wurden. Ich muss jede Wand und jede Decke streichen - dazu kommt, dass ich bunte Wände habe, wo ich also mehrmals drüber streichen muss. Selbst wenn ich die günstigste Farbe kaufe, werde ich damit nicht hinkommen können.

Tapete hat man mir verweigert, da diese ja noch in Ordnung sei und da nach Einschätzung des Mannes vom Sozialamt nur dreimal drüber gestrichen worden sei. Da ich nur Teppichboden in den Räumen auslegen darf, habe ich diesen auch beantragt. Dieser ist ebenfalls bunt, abgenutzt, hat Brandlöcher usw., aber hier ist die Ablehnungsbegründung folgende:

"Ihrem weitergehenden Antrag konnte leider nicht entsprochen werden, weil lt. Außendienst sich die Teppichböden in einem brauchbaren und zumutbaren Zustand befinden und lediglich gereinigt werden müssen."

Der Herr vom Außendienst sagte mir, dass ich nur einen Eimer Wasser und Spülmittel dazu bräuchte. Es ginge bei der Gewährung von Renovierungsgeld nicht um das Wohlbefinden, sondern dass die Dinge brauchbar seien, so der Außerdienst. So wäre das Gesetz.

Also dürfen sich Menschen, die von der Armut betroffen sind, sich in ihrer Wohnung nicht mehr wohlfühlen. Wohlbefinden, haltbare Lebensmittel, Fahrkarten, usw. sind wohl nicht mehr für Arme verfügbar. Wird also Zeit, dass wir hier endlich was ändern, gemeinsam mit Ihnen mit AUF Witten, der Montagsdemo, usw.

U.W., Witten

Witten im AUFbruch 1/2012