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Resolutionen zur Jugendarbeit

Bildtext: "Auf Wohlstand kann ich in Krisenzeiten verzichten. Was mich jedoch beunruhigt ist die Gefährdung der ganzen abendländischen Zivilisation." Zeichnung: Tomaschott
Bildtext: "Auf Wohlstand kann ich in Krisenzeiten verzichten. Was mich jedoch beunruhigt ist die Gefährdung der ganzen abendländischen Zivilisation." Zeichnung: Tomaschott

In den Jugendhilfeausschuss des Wittener Rats wurden vier Resolutionen zur Vorlage bei der Bezirksregierung Arnsberg eingebracht.

Verfasst jeweils vom Kinder- und Jugendparlament, von der Arbeitsgemeinschaft Kinder, von der Arbeitsgemeinschaft Jugend und von den Ratsfraktionen (mit Ausnahme der Linken).

Letzteres hatte wohl den Grund, dass die Ratsfraktionen ihre Forderung nach Prävention in der Jugendarbeit gleich mit dem Satz begannen: „Natürlich soll und muss Witten sparen“. Das wollten die Linken wohl nicht unterschreiben, zumal gerade bei Kindern und Jugendlichen enorm und überproportional gespart wird.

Gerade im Zusammenhang mit einer Forderung nach Sicherung der Kinder- und Jugendarbeit vom Sparen zu reden, hört sich deshalb schon paradox an.

Ist es im übrigen nicht so, dass egal auf welcher politischen Ebene, ob Kommune, Land oder Bund, nicht dafür das meiste Geld ausgegeben wird, was den Bürgern und Steuerzahlern am wichtigsten ist, sondern im Gegenteil – denken wir nur an die Auslandseinsätze der Bundeswehr?!

Was den Tenor der Resolutionen anbelangt, nämlich Bedenken gegen die Ausdünnung der Angebote für Kinder und Jugendliche in dieser Stadt geltend zu machen, kann man das nur unterstützen. Doch gleichzeitig kommen mir die genannten Initiativen seltsam defensiv vor.

Da fehlt nicht nur die Empörung über den bisherigen Kahlschlag, das skandalöse Vergammeln lassen von Kinderspielplätzen und der Abbau wohnungsnaher, dezentraler Einrichtungen, was mit dem Begriff „Qualitätsoffensive“ bemäntelt wurde.

Sondern da ist einhellig die Rede von Mindestanforderungen in der Kinder- und Jugendarbeit. Was soll das sein und wer legt den Standard fest, wenn alles, was Spaß und Sinn macht, zu den freiwilligen Aufgaben gezählt wird?

Da wird im Grunde darauf verzichtet, dass Investitionen in die Jugend Investitionen in die Zukunft sind. Eine Gesellschaft, die irgendwie dafür sorgt, dass die Jugendlichen irgendwie zurecht kommen, hat weder Plan noch Perspektive.

Das zu erstreiten, wird mit Resolutionen alleine sowie so nicht gehen, aber wenn diese schon so lauwarm abgefasst sind, helfen sie eher, die Probleme unter den Tisch zu kehren.

F.R., Witten

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