hat alles verändert, nur unsere Denkweise nicht, und deshalb treiben wir einer beispiellosen Katastrophe entgegen."
(Zitat von Albert Einstein)
 ein Bericht von Herbert Schlüter
In der letzten Ausgabe des inzwischen eingestellten NEWSLETTERs der Wittener Stadtwerke tätigte Herr Siegfried Obst (ehemaliger Geschäftsführer) verschiedene Aussagen zum Thema Kernenergie, die auch in Bezug auf die aktuelle Diskussion über verlängerte Laufzeiten einer Richtigstellung und Ergänzung meinerseits bedürfen. Aufgrund der nach Vorlage des hier erscheinenden Textes beschlossenen Einstellung des obengenannten Printmediums wird dieser Text den Stadtwerkekunden und -mitarbeitern exklusiv in "Witten im AUFbruch" zugänglich gemacht.
Energieexport
Aufgrund des europaweiten Exportes von Energie, den weitreichenden Folgen von atomaren Störfällen und der aktuellen Suche der Stadtwerke nach einer Beteiligung an einem Kraftwerk (hier scheint die Wahl auf ein Kohlekraftwerk gefallen zu sein) erscheint es mir wichtig die aktuelle Diskussion über die Atomenergie auch als Thema der Wittener Kommunalpolitik wahrzunehmen.
Saubere Atomkraft?
So wurde zum Beispiel von Herrn Obst die relativ niedrige Kohlendioxid-Emission von AKWs im Rahmen der Klimadiskussion gelobt. Dabei bezog er sich aber nur auf die reine Stromproduktion im AKW und vergaß dabei wichtige Aspekte, die vor der Stromerzeugung (Prospektion und Schürfung der Uranerze, Transporte, verfahrenstechnische Trennung und Anreicherung, Errichtung der notwendigen atomtechnischen Anlagen, etc.) und nach der Stromerzeugung nach ca. 40 Jahren Laufzeit (Wiederaufbereitung, Konditionierung des Atommülls, Zwischen- und Endlagerung für einige tausend Jahre) erforderlich sind. Nach einer solchen ganzheitlichen Analyse der Energieerzeugung im AKW hat dieses eine deutlich schlechtere Kohlendioxid-Emission als mit anderen fossilen Brennstoffen betriebene Kraftwerke.
Des weiteren verweist Herr O. als Vorteil von AKWs auf ihre nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit zur Energieerzeugung, die jedoch nach Mittelwert der aktuellsten Studien nur noch für ca. 60 Jahre zur Verfügung stehen, da danach die bekannten Uranerzvorkommen der Erde erschöpft sein werden.
Sichere Endlager?
Auch die geäußerte Verfügbarkeit von erprobten Techniken zur Endlagerung muss von mir stark in Frage gestellt werden, da auch hier noch viele Probleme und Fragen ungelöst bzw. unbeantwortet sind. So stellt sich unter anderem die Frage nach der geologischen Stabilität eines Endlagers über einen Zeitraum von z.B. hunderttausend Jahren; dieser Zeitraum ist weit außerhalb des naturwissenschaftlichen Erfahrungshorizontes und des menschlichen Vorstellungsvermögens. Außerdem gib es noch keine Erfahrungswerte über die chemischen Wechselwirkungen des eingelagerten Atommülls mit seiner Umgebung und über die Eigenschaften der Produkte dieser chemischen Wechselwirkungen, somit gibt es auch keine wirklichen Aussagen zu der Frage, welche Eigenschaften ein wirklich sicheres Endlager haben müsste.
Atomstrom günstig?
Außerdem sind von mir auch die genannten ökonomischen Qualitäten (billiger Atomstrom) der Atomenergie sehr in Frage zu stellen, da zum einen die Investitionskosten pro Kilowattstunde Atomstrom sehr hoch sind (550 Euro pro Kilowattstunde Kapazität für Gas- und Dampfkraftwerke bzw. 1.750 Euro für AKWs) und zum anderen eine dem Gefährdungspotential entsprechende Versicherung, die es natürlich nicht gibt, den Preis für die Kilowattstunde Atomstrom auf ca. 1,80 Euro steigen lassen würde.
Keine Gesundheitsgefahren?
Ein weiteres im Bezugstext ungenanntes und ungelöstes Problem der Atomenergie sind die mit ihr einhergehenden seltsamerweise immer noch kontrovers diskutierten gesundheitlichen Folgen von Uranabbau, Atomenergieerzeugung und Atommüllaufbereitung bzw. -lagerung.
Zum Thema der gesundheitlichen Folgen für die Mitarbeiter, aber auch für die Umgebung der Urangewinnung sei nur auf das deutsche Beispiel WISMUT Aue verwiesen.
Zu den Folgen der Atomenergieerzeugung für die Gesundheit der näher oder weiter entfernt lebenden Menschen sei nicht nur auf so genannte Störfälle (Tschernobyl, Harrisburg, Biblis, Krsko, und zuletzt auch in verschiedenen AKWs in Frankreich, etc.), sondern auch auf die Gesundheitseffekte im "Normalbetrieb" zu verweisen.
So sei als Beispiel hier nur die Gemeinde Geesthacht in der Elbmarsch in der Nähe des AKWs Krümmel und einer ehemaligen Kernforschungsanlage
der Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt genannt.
In dieser Gemeinde zeigte sich zu Beginn der neunziger Jahre ein abrupter Anstieg der Leukämiefälle bei Kindern und bis heute zeigt sich im Umkreis von fünf Kilometern das Leukämievorkommen dreifach erhöht (1)
 Zu den gesundheitlichen Folgen der Atommüllaufbereitung sei nur auf belegte hohe Atomemissionen in der Nähe der Wiederaufbereitungsanlagen Sellafield und Dounreay in Grossbritannien bzw. La Hague in Frankreich und auf die aktuellen Probleme des Forschungsendlagers ASSE 2 verwiesen.
Die gesundheitlichen Folgen der Atommülllagerung sind eng verbunden mit den unabsehbaren Problemen der Endlagerung.
Zum Abschluss ein kurzes Zitat aus der Eröffnungsrede der ersten Atomkomission der Vereinten Nationen von 1946: „...Die Wissenschaft hat uns gelehrt, wie das Atom zum Arbeiten gebracht werden kann. Aber die Entscheidung, das Atom für das Gute und nicht das Böse arbeiten zu lassen, liegt in der Sphäre der Grundbegriffe der menschlichen Pflicht. Wir stehen jetzt mehr vor einem Problem der Ethik als der Physik.“
P.S.: Resumé:
„Eine Thematisierung der Atomenergieproblematik ohne Einbeziehung des Industriell-militärischen Komplexes ergibt ein verzerrtes Bild. Zivile und militärische Nutzung bedingen sich gegenseitig, eine Trennung ist nicht möglich. Die Atomenergie ist prinzipiell nicht beherrschbar. Der Betrieb atomtechnischer Anlagen führt zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen von Gesundheit und Lebensraum. Tausende von Generationen nach uns werden an den Folgen der Atomtechnik erkranken und sterben. Transport, Zwischen- und Endlagerung von Atommüll sind mit Risiken verbunden, die nach heutigem Kenntnisstand nicht zu bewältigen sind.“ (Prof. Dr. Rolf Bertram)
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Weitere Infos zu diesem Thema finden Sie in den
Dokumentationen der 2. und 4. offenen Akademie. Sie können bestellt werden beim
Verlag Neuer Weg - Alte Bottroper Straße 42 - 45356 Essen - www.neuerweg.de
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