Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke? |
| saubere Alternativen |
| Mittwoch, den 01. September 2010 |
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von René Schlüter, Sprecher im Vorstand von AUF Witten und Mitglied der Umwelt AG
Nachdem wir schon in früheren Ausgaben die Atomenergie in ihrer Gänze kritisch hinterfragt haben, möchten wir hier nochmals Stellung, besonders im Hinblick auf die diskutierte AKW-Laufzeitverlängerung, beziehen.
Bevor wir auf die aktuelle Diskussion eingehen scheint es uns angebracht kurz die bestehende Atomenergiesituation zu skizzieren. In unserem Land sind zur Zeit 17 Atomkraftwerke am Netz, von denen zwei (Biblis A und Neckarwestheim 1) laut Atomausstiegsgesetz schon diesen Herbst und weitere im Verlauf des nächsten Jahres vom Netz gehen sollen.
GefährdungspotentialWeil diese Atomkraftwerke nur bei gleichbleibender Last wirtschaftlich betrieben werden können, führt das schon heute häufig dazu, dass regenerative Energiequellen zeitweilig vom Netz genommen werden müssen.
Des Weiteren kann man Atomenergie
natürlich nicht ohne die Atommüllproblematik diskutieren. Hier gibt es weltweit noch keine wirklich sicheren Behandlungs- bzw. Lagerungsmöglichkeiten.Auf die BRD bezogen seien noch kurz die Sicherheits- und Stabilitätsprobleme mit den Endlagern ASSE 2 und Morsleben und der jahrzehnte alte Streit um das Endlager Gorleben erwähnt.
Außerdem steht und fällt die Atomenergie mit ihrer Sicherheit und damit auch mit schnellen Reaktionen bei immer möglichen Störfällen.
Es gibt aber weder einen bundesweiten Katastrophenplan für Atomunfälle, noch einen Plan zur Dekontamination von verstrahlten Geländen oder Gebäuden.
Keine ZukunftFür einen diskutierten verlängerten Betrieb von AKWs stellt sich zuerst das Problem ihres Betriebsstoffes Uran, das nach neuesten Berechnungen nur noch bis 2020 für alle Atomkraftwerke unseres Planeten zur Verfügung steht.
Ein weiteres durch eine AKW-Laufzeitverlängerung entstehendes Moment ist sein genereller Einfluss auf den sogenannten Energiemix. Neben der oben beschriebenen Problematik der wirtschaftlich bedingten Bevorzugung von Atom- und Kohlestrom im Betrieb, würde auch die mit Unterstützung der deutschen Stadtwerke eingeleitete Dezentralisierung und Flexibilisierung unserer Energieversorgung ad absurdum geführt und das nahezu Monopol der vier großen Energieversorger weiter geführt.
Außerdem kann ein weiteres Festhalten an der Atomenergie natürlich auch nicht als weiterer Innovations- und Investitionsanreiz für regenerative Energiequellen gesehen werden. Das ist besonders bedenklich, da verschiedene Regierungsberater es für möglich halten, unser Land ab 2050 komplett aus regenerativen Energiequellen zu versorgen.
All diese Probleme ließen sich auch mit vorgeschlagenen Elementen der Laufzeitverlängerung wie Brennelementesteuer oder 30 Milliarden €-Fonds für regenerative Energien nicht lösen.
ProfitdenkenSo sind die 30 Milliarden € mit dem oben genannten Einfluss auf die Weiterentwicklung der regenerativen Energien und den Kosten für Behandlung und Lagerung von weiterem Atommüll gegen zu rechnen. Das sich ergebende Minusgeschäft für den Staat und damit uns Bürger sollte ersichtlich sein. Die Brennelementesteuer ist ein reiner Teil der Sparpolitik unserer Regierung, die nichts an den beschriebenen Auswirkungen längerer Laufzeiten ändern würde. Auch der ebenfalls häufig beschriebene Effekt auf niedrige Stromkosten kann gerade mit Bezug auf die Endlichkeit des Urans nur als maximal kurzsichtig gedachter Einfluss gesehen werden.
Zusammenfassend kann man also diese gesamte Diskussion nur als konzerngewinnmaximierenden und im Sinne der derzeitigen Sparpolitik kurzfristig Einnahmen erhöhenden Eingriff in die Zukunft unseres Landes sehen, der langfristig bereits bestehende Probleme zementiert und ihre Lösung an die nächsten Generationen weitergibt.
Dieses sollte jedoch nicht unter langfristig sinnvoller Energie- und Gesellschaftspolitik zu verstehen sein. Dieser Beitrag entstammt aus Witten im AUFbruch 3/2010: |

natürlich nicht ohne die Atommüllproblematik diskutieren. Hier gibt es weltweit noch keine wirklich sicheren Behandlungs- bzw. Lagerungsmöglichkeiten.