Dienstag, 22. Mai 2012

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Private Biogasanlage – Zeichen einer Energiewende in Witten?

Müllverbrennung
Samstag, den 27. August 2011

 Von René Schlüter – Sprecher im Vorstand von AUF Witten

Unter großem Rumpeln im kommunalen Pressewald wurde vor kurzer Zeit bekannt, dass in unserer Stadt eine Biogasanlage zur Energiegewinnung aus den Bio- und Grünabfällen des Ennepe-Ruhrkreises errichtet werden soll.

Diese Anlage soll am Bebbelsdorf höchstwahrscheinlich von der AHE betrieben werden und das neue Aushängeschild für ein angeblich ökologisches Energiekonzept für die Zukunft unserer Stadt sein.

Gut aufgestellt?

Von Seiten der Exekutive unserer Stadt und unserer Stadtwerke als Energiever­sorger sieht man sich für eine zukunfts­fähige Energieversorgung unserer Kom­mune ohne Atomstrom und auch weiter­gehend ökologisch sehr gut aufgestellt.

Neben dem Bau einiger Photovoltaik­anlagen auf städtischen Gebäuden und dem Bezug von österreichischem Öko­strom aus Wasserkraft soll hierzu dann auch der Strom aus jener Biogasanlage beitragen.

Wer bestimmt?

Der schon genannte geplante Betreiber, die AHE, ist zur einen Hälfte im Besitz der AVU und zur anderen des Entsorgungs- und Energiekonzerns REMONDIS. Die AVU wiederum gehört zu 50 Prozent dem Energiekonzern RWE, zu 29,1 Prozent dem Ennepe-Ruhrkreis, zu 12,8 Prozent der Stadt Gevelsberg, zu 6,9 Prozent der Stadt Schwelm und zu 1,2 Prozent der Stadt Ennepetal. Zwei Drittel der Biogasanlage sind also privatwirtschaftlich bestimmt.

Kosten-Nutzen

Hier bietet sich gerade auch mit Blick auf die öffentlich gelobte Investition des Unternehmens von 15 Millionen Euro für den Bau der Anlage ein Blick auf die konkret geplanten Zahlen und Kosten an. Für den bereits bestehenden Transport und die zukünftige neue Behandlung der kreiseigenen Bio- und Grünabfälle wird dem Unternehmen von unserem Kreis vertraglich für fünfzehn Jahre jährlich ein Betrag von 2,066 Millionen Euro zugesichert. Die erhöhten Kosten des Kreises für eine Tonne Bio- bzw. Grünabfall von 86,20 statt 60 Euro will man nun mit Kosten von 1,37 Euro pro Jahr und Einwohner an die Bürger weitergeben.

Profitorientiert

Bei aller generellen Löblichkeit des Baues einer Biogasanlage in unserer Stadt, die sich ja auch teilweise mit der Forderung von AUF Witten nach dem Bau einer IMK-Anlage in Witten deckt, zeigt sich hier doch deutlich das tatsächliche Gesicht der so strahlenden ökologischen Energieversorgungszukunft unserer Stadtwerke und Stadt. Auch hier wird nämlich immer noch nur unter ökonomischen Zielsetzungen scheinbar ökologische Politik betrieben.

Der AHE wird für den Bau der Anlage bei einer Bio- und Grünabfallmenge des Kreises von 23.000 Tonnen pro Jahr und Mehrkosten von ca. 20 Euro pro Tonne auf fünfzehn Jahre gerechnet allein 6,9 Millionen Euro mehr für Bio- und Grünabfälle zugestanden.

Hierin noch nicht verrechnet sind die Einnahmen für die Einleitung des Stromes ins Netz. Für die AHE also trotz der Investition von 15 Millionen Euro ein sehr einträgliches Geschäft.

Für den Verbraucher aber keineswegs: Er wird mit 1,37 Euro direkt und über Steuer und Gebührenzahlungen an die Kreiskasse indirekt zur Kasse gebeten!

Was gebraucht wird

Welches Fazit lässt sich als AUF Witten und als ökologisch, zukunftsfähig ausgerichteter mündiger Bürger von Witten nun aus diesen Planungen und diesem politischen Gebaren ableiten?

Unsere Stadt braucht ein wirkliches langfristiges Energieversorgungs- und Klimaschutzkonzept. Unseren Stadtoberen und unseren Stadtwerken scheint dies aber nur unter rein finanziellen Zielen denkbar, wie die Beteiligung unserer Stadtwerke an zwei neuen klimaschädigenden Kohlekraftwerken zeigt.

Deshalb ist es an uns mündigen Bürgern, weiterhin massivsten Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben und Ansätze für eine wirkliche Energiewende in unserer Stadt zu entwickeln. Nur so könnte man auch durchaus umsetzbare Ideen wie ein Gesamtrecyclingkonzept für unseren Kreis, ein Konzept zur Verminderung des Energieverbrauches oder auch kleine Ziele wie Wittens erste Windkraftanlage realisieren.

Zum Gesamtrecycling siehe auch die Internetseite www.total-recycling.org

Billiger und sicherer

Bezogen auf die Biogasanlage würde das den Bau und Betrieb einer solchen Anlage durch den Kreis bedeuten, verbunden mit einer öffentlichen Kontrolle. Damit würden wir nicht nur für den Ökostrom zahlen, sondern könnten auch alle davon sogar ökonomisch z.B. durch niedrigere Gebühren und billigeren Strom profitieren.

Außerdem wäre so auch ein möglicher Missbrauch der Biogasanlage ausgeschlossen. Das träte ein, wenn Methan, das mit dem höchst umstrittenen und gefährlichen Fracking-Verfahren gewonnen wurde, in dieser Anlage verstromt würde.

Beim Fracking wird unter Einsatz hochgiftiger Chemikalien Methan aus stillgelegten Bergwerksstollen und gleichzeitig hochbelastetes Abwasser gewonnen.

Dieses Verfahren hat sich in den USA als so unfall- und störfallträchtig erwiesen, dass sogar unsere Wasserversorger eindringlichst vor der geplanten Anwendung dieses Verfahrens in unserer Umgebung warnen.

Ausblick

Neben durchaus zu diskutierenden Ansätzen wie dem Wechsel des Stromanbieters, der jedoch nicht wirklich die Energieproblematik in Witten lösen kann, bleibt also nur die Entwicklung eines ökologischen, dezentralen Energiegesamtkonzeptes durch die interessierten Bürger in dem der in unserer Stadt verbrauchte Strom zum größten Teil auch hier produziert wird.

Da jedoch die derzeitige politische Situation in unserer Stadt wie oben beschrieben ist, seien alle sich angesprochen fühlenden Organisationen und Wittener Bürger von AUF Witten nochmals auf den hoffentlich nicht allzu langen Marsch gegen die rein profitorientierten Windmühlen unserer Stadt eingeladen.

 
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