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Umweltverbrechen Müllverbrennung

Müllverbrennung
Freitag, den 13. Februar 2009

Profitorientierte Kehrtwende in der Müllpolitik auf Kosten von Bürgern und Umwelt

René Schlüter - Mitglied im Vorstand von AUF WittenVon René Schlüter, Mitglied im Vorstand und in der Umwelt-AG von AUF Witten
In den letzten ca. fünf Jahren ist es in unserem Staate und auch besonders in unserem Bundesland zu riesigen Anstrengungen bei der Planung, der Genehmigung und dem Betrieb von neuen Müllverbrennungsanlagen und beschönigend so genannten Ersatzbrennstoffverbrennungsanlagen (Kraftwerke, in denen nur Müll oder zum Teil Müll verbrannt wird) gekommen, die die Verwertungskapazität dieses Müllwirtschaftszweiges mehr als verdoppeln. Im Vergleich zum von uns befürworteten Kryo-Recycling hier einige ökologische, ökonomische, umweltmedizinische und energetische Fakten zum Thema.

Ökologisch katastrophal

Unter ökologischen Gesichtspunkten fällt zuerst der signifikante Gegensatz zwischen dem rohstofferhaltenden und umweltentlastenden Recycling und dem rohstoffentwertenden und unter ganzheitlichen Gesichtspunkten umweltbelastenden schlichten Müllverbrennen auf.
Dieser ist ein Gegensatz in der generellen herangehensweise: Recycling ist eine langfristig mit Müllvermeidung einhergehende Reaktion auf die zum Ende des 20. Jahrhunderts immer deutlicher gewordene Müllproblematik unserer Gesellschaft; Müllverbrennung nur der Versuch, wirtschaftlichen Gewinn aus diesem Problem zu ziehen, ohne dieses langfristig lösen zu wollen.
Müllvermeidung würde sogar niedrigere Gewinne der Betreibergesellschaften nach sich ziehen.
Die von vielen Befürwortern der Müllverbrennung häufig ins Feld geführten die Umweltbelastung reduzierenden Verbesserungen an Müllverbrennungsanlagen (MVAs) können unter kritischer Begutachtung nur leidlich bestehen. So hat es sich zum Beispiel gezeigt, dass die Ausstattung vieler MVAs mit Rauchgasreinigungsanlagen die Belastung der Abgase zwar senkt, dieses allerdings nur auf Kosten einer höheren Belastung der eh schon eine Deponierung erfordernden bei der Müllverbrennung anfallenden Schlacken.
Neubau MVA in Herten, Müllverbrennungskapazität von 250.000 TonnenAuch die angeblich durch MVAs erreichte Reduzierung der Müllmenge um bis zu 30 % ist nur schwer haltbar, wenn man in Betracht zieht, dass der Mülloutput (Schlacken und Abgase) zum Teil sogar höher ist als die eingebrachte Müllmenge (Müllinput).
Zum Abschluss der rein ökologischen Gesichtspunkte sei noch kurz auf die mit jedem Verbrennungsprozess und damit auch mit der Müllverbrennung einhergehende Erhöhung des CO2-Ausstosses in unsere Atmosphäre verwiesen.

Ökonomisch gut für Betreiber

Unter ökonomischen Gesichtspunkten fällt zu diesem Thema zuallererst der krasse Gegensatz auf zwischen ständig steigenden Müllgebühren für die Bürger, die zu großen Teilen in MVAs fließen, und zum Teil dreistellige Millionenhöhen erreichenden Extragewinnen der privaten Betreibergesellschaften von MVAs (ZDF-FRONTAL 21, 2008).
Eine weitere interessante Tatsache ist, dass schon Ende 2006 die Kosten für das Recycling von einer Tonne Müll bei durchschnittlich 100 Euro lagen, die für das Verbrennen der gleichen Menge Müll jedoch bei durchschnittlich 174 Euro (PROGNOS-INSTITUT).

Umweltmedizinisch gefährlich

Umweltmedizinisch gesehen sind MVAs trotz der schon vorher beschriebenen Verbesserungen in den letzten Jahren weiterhin als sehr bedenklich einzuschätzen.

So mögen die bis in die 90er Jahre deutlich nachweisbaren gesundheitlichen Risiken für Mitarbeiter und Anrainer von MVAs (STUDIE, UNIVERSITÄT EXETER) in den letzten Jahren zwar zurückgegangen sein, was aber zum Beispiel durch die technische Unmöglichkeit der Rauchgasfilterung von Feinstäuben unterhalb einer Größe von 2,5 Mikrometern oder durch die in einigen Ländern gepflegte Nutzung der mit Dioxinen und Schwermetallen hoch belasteten Schlacken im Straßenbau deutlich konterkariert wird.

Ein weiteres umweltmedizinisches Problem im Bezug auf die Müllverbrennung ist die oftmals getätigte Grenzwertorientierung am technisch und gewinnorientiert Möglichen und nicht etwa an den Umweltgiftbelastungsgrenzen der Menschen oder gar der Kinder, Alten und Kranken.

Energetisch unsinnig

besser so!Zuletzt nun kurz ein Blick auf die Müllverbrennung unter energetischen Gesichtspunkten. Hierzu mag man zwar unbedarft anfügen, dass die Verbrennung von Müll in MVAs doch sogar Strom und Fernwärme und damit Energie produziere, wenn man jedoch die vorher zur Produktion der zu verbrennenden Produkte eingebrachte Energie in diese Gleichung einbringt zeigt sich, dass in MVAs eher Energie zerstört als etwa gewonnen wird.

Resümee

Müllverbrennung ist im Gegensatz zum Recycling kein langfristiger Lösungsansatz für das Müllproblem unserer Industriegesellschaft, sondern nur ein Versuch, aus diesem Problem privatwirtschaftlichen Gewinn zu ziehen und damit sogar unter ökologischen, ökonomischen, umweltmedizinischen und energetischen Gesichtspunkten noch neue Probleme zu schaffen.
Als letztes sei noch auf den heiß diskutierten Müllimport aus Neapel und den versuchten Giftmüllimport aus Australien zur MVA Herten verwiesen, die nicht etwa im Interesse der Bürger unseres Landes geschahen sondern im Interesse von hohen Renditen der privaten Betreibergesellschaften unserer MVAs.