Dienstag, 07. Februar 2012

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CDU-Frauenpolitik: Courage nicht erwünscht

Frauen in die Politik
Freitag, den 30. April 2010

Dorith Barth vom Frauenverband CourageIn unserer letzten Ausgabe stellten wir dem Frauenverband Courage Witten eine Seite für einen Gastbeitrag zur Verfügung. Anlass war der Internationale Frauentag am 8. März, zu dem Courage mit dem Motto aufrief "Frauen mit Mut tut gut!". Das ging der örtlichen CDU wohl zu weit, mit 16 (!) Fragen wollte CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Noske, früher Mitglied in der SPD und beruflich als Kreispolizeichef tätig, von der Stadtverwaltung unter anderem wissen, ob sie von der "verfassungsfeindlichen Ausrichtung" des Frauenverbandes gewusst habe. Wir fragten nach bei Dorith Barth, Mitglied im Ortsvorstand von Courage Witten e.V.

(Das nebenstehende Bild zeigt Dorith Barth bei einer Solidaritätskundgebung am 25. März 2003 für den Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Vogt Witten, den Courage mit viel Einsatz unterstützt hat)

Erste Reaktion

? Wie war Eure Reaktion, als ihr von der CDU-Anfrage erfahren habt?

Dorith Barth (DB):. Wir waren echt verblüfft über diese Aktion von Herrn Noske. Überfallartig riefen Reporter der Lokalpresse bei unserer Pressesprecherin an und konfrontierten sie mit dem Fragenkatalog von Herrn Noske.

Wir hatten keine Ahnung, wovon die Rede war und was dieses Hexentreiben zu bedeuten hatte. Zuerst haben wir dann mal im Internet nach diesen Fragen gesucht, die an die Bürgermeisterin gerichtet waren, auf der Website der CDU Witten wurden wir fündig.

In der Couragegruppe herrschte allgemeines Kopfschütteln. "linksradikal" und "verfassungsfeindlich" sollten wir sein? Wieder musste uns das Internet erst einmal die Begriffserklärung liefern – aber wir sind weder vermummt, noch rufen wir zum Umsturz auf oder setzten Autos in Brand oder so. Wir machen einfach unseren Mund auf, wo "Frau" was zu sagen hat – und das steht uns in der Demokratie auch zu.

? Wofür setzt sich Courage denn ein?

DB: Ich nenne als Beispiel einige Forderungen: qualifizierte und kostenlose Gesundheitsversorgung für alle, ausreichende Möglichkeiten von Ganztagsbetreuung der Kinder vom Säuglingsalter an, kleinere Schulklassen, genügend und gut ausgebildete Lehrer und Erzieher, existenzsichernde Vollarbeitsplätze, 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Regelarbeitszeit von Montag bis Freitag, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Herabsetzung des Rentenalters, gesetzliche Mindestrente, die zu einem menschenwürdigen Leben reicht unabhängig vom persönlichen Arbeitslebenslauf, höhere Lebensqualität auf dem Niveau des gesellschaftlichen Fortschritts, für die Befreiung der Frau und eine lebenswerte Zukunft.

Wenn das linksextremistisch ist, befinden wir uns in guter Gesellschaft mit dem größten Teil der Bevölkerung.“

Rücken gestärkt

? Welches Echo habt ihr bekommen?

DB:. Es gab innerhalb der Couragegruppe auch Skepsis, wie in Witten die Hetzkampagne von Herrn Noske wirken würde. Aber in Witten ziehen sich die Leute die Hose nicht mit der Kneifzange an, schon die ersten Leserbriefe zeigten das deutlich. Wir haben viele solidarische, freundliche und aufmunternde Worte zu hören bekommen und das hat uns riesig gefreut und den Rücken gestärkt. Auch die Bürgermeisterin hat ja dann ganz sachlich den Blick auf die Tatsachen gerichtet und dem "Fragenkatalog" und der Attacke von Herrn Noske eine Abfuhr erteilt

Überparteilich

? Ihr sagt, dass Courage überparteilich ist. Was versteht ihr darunter?

DB: Der Frauenverband Courage ist nicht einer Partei angeschlossen, wie das landläufig üblich ist. In unserem Frauenverband kann jede Frau mitmachen, die unser Programm und das Statut richtig findet und einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 2 Euro zahlt.

Bevor Courage vor 19 Jahren gegründet wurde, gab es nur parteigebundene Frauenorganisationen. Es war aber an der Zeit, parteiübergreifend mit allen interessierten Frauen die Fragen um die Gleichberechtigung und Fraueninteressen in die Hand zu nehmen. Wir verlangen von keiner Frau vor dem Eintritt in den Frauenverband eine Auskunft darüber, ob und in welcher Partei sie ist, genauso wenig interessiert uns eine Religionszugehörigkeit oder so.

? Ein weiteres Courage-Prinzip ist die "Finanzielle Unabhängigkeit"?

DB:. Immer wieder wird das Märchen bemüht, der Frauenverband Courage würde von der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) finanziert. Wir werden von überhaupt keiner Partei finanziert. Auch wenn das manchem nicht vorstellbar ist – das ist so.

Klar, wir haben kein weiches Polster, wenn etwas angeschafft oder eine Veranstaltung durchgeführt werden soll. Wir gehen nirgendwo hin und lassen uns dafür die Kosten erstatten. Sie haben uns sicher schon manches Mal in der Stadt gesehen – wir bieten Kuchen oder Waffeln gegen Spenden an, so finanzieren wir uns. Und durch Mitgliedsbeiträge und uneigennützige Spenden von Unterstützern. Damit machen wir natürlich keine großen Sprünge, aber so kann uns auch niemand Vorschriften machen, was wir sagen oder tun – und das ist unser größter Trumpf.

Auch in diesem Jahr haben wir vor, viele Spenden zu sammeln. Wir wollen wieder einer Frau aus Indien die Anreise zum internationalen Frauenpolitischen Ratschlag ermöglichen, der im Oktober stattfinden wird. Vor 2 Jahren haben wir da eine überwältigende Unterstützung in der Bevölkerung und auch von Wittener Unternehmern erlebt und wir würden uns freuen, wenn wir auch dieses Jahr wieder darauf zählen dürften.

Vielen Dank!

 

 

12/2011: aktualisierte Dokumentation zu den Stadtwerken Witten

Dokumentation Stadtwerke Witten in Witten im AUFbruch

5.11.2011 Witten im AUFbruch 4/2011

Dokumentation zu HP Pelzer