Normalzustand in unserer Stadt?
Als Ansprechpartner einer Multiple-Sklerose (MS) – Selbsthilfegruppe werde ich ständig mit solchen Fragen konfrontiert. Nicht selten beklagen sich betroffene Bürgerinnen und Bürger über unüberwindbare Hindernisse außerhalb ihres persönlichen Umfeldes, wobei es sich dabei um nicht barrierefreie Zugänge in öffentlichen Einrichtungen handelt.
So sind es beispielsweise überwiegend Arztpraxen, die oftmals über mehrere Treppenstufen hinweg erreicht werden müssen. Vorhandene Aufzüge sind häufig zu eng, die Türen öffnen und schließen sich nicht automatisch, die Bedientasten sind nur schwer erreichbar. Das stellt vom Rollstuhl abhängige Menschen vor unlösbare Probleme. Desgleichen sind Einkaufstätten sehr häufig mit nicht automatisch öffnenden Türen versehen, so dass Menschen mit Rollstühlen ohne Hilfe nur unter erschwerten Bedingungen Zugang haben.
Die Erreichbarkeit geeigneter Behinderten-Toiletten ist kaum oder gar nicht vorhanden oder nur unter komplizierten Bedingungen (weite Wege und unwegsame Standorte, wenig Bewegungsraum, nicht ausreichend vorhandene Haltegriffe etc.)
Öffentliche Verkehrsmittel und deren Zugänge sind teilweise bzw. oft gar nicht behindertengerecht nutzbar oder gar erreichbar. Der Einsatz von geeigneten öffentlichen Transportmitteln erfolgt nicht in ausreichendem Maße, auch die dafür notwendige Hilfestellung lässt zu wünschen übrig.
So gibt es sicherlich in vielerlei Hinsicht weitere für behinderte Menschen unüberwindbare Schranken und Barrieren. Nicht selten stellt man sich die Frage, welche Experten solche planerischen Modelle entwerfen und konstruieren? Nur weil das Kind einen Namen haben muss oder man die gesetzlichen Vorlagen und Verordnungen zu erfüllen hat, werden solche für die Betroffenen nicht nachvollziehbaren Einrichtungen erbaut, ja sogar von behördlicher Seite abgesegnet.
Fazit: Ich möchte jeden Planer und Bauabnehmer solcher Projekte bitten, sich eine Woche lang im Rollstuhl unter den Bedingungen von Geh- und Bewegungseinschränkungen im öffentlichem Leben zu bewegen oder einen Betroffenen zu begleiten, vielleicht kommt dann die Erleuchtung.
Alle behinderten Menschen möchte ich dahin bewegen, über das aktiv werden in einem politisch aufgestellten überparteilichen Personenwahlbündnis z.B. hier in Witten AUF Witten für ihre Interessen und Bedürfnisse zu kämpfen.
Gregor Duve, Witten
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