Kampf um Arbeitsplätze braucht mutige Ideen

Interview mit einem Mitglied der Vertrauenskörperleitung von ZF

Am 11. Oktober erschien ein Artikel zur Entwicklung bei ZF in Witten in der WAZ. Dort wurde bekannt, dass Kollegen um ihre Arbeitsplätze bangen, bereits seit Beginn des Jahres Kurzarbeit gefahren wird. Wir befragten dazu Fritz Hickler von der IGM Vertrauenskörperleitung bei ZF. Hier sein Statement:

Die Sorgen sind absolut berechtigt. Es geht ja nicht nur um die aktuelle Situation. Der Verkauf an ZF im letzten Jahr war ja bereits der zweite Verkauf seit der Zerschlagung des Mannesmann-Konzerns.

Schon von Bosch sind die Kolleginnen und Kollegen letztlich enttäuscht worden, das wiederholt sich womöglich gerade mit ZF. Dazu kommt, dass sich die Situation mit der Kurzarbeit schon sehr lange hinzieht.

Wie im WAZ-Artikel beschrieben wechseln sich kurze Phasen besserer Auslastung mit Durststrecken ab, teils sind auch gleichzeitig manche Bereiche ausgelastet und andere nicht.

Das geht so schon seit Jahren und wird in den nächsten Monaten nicht besser. Außerdem muss man die Gesamtsituation in Witten und in der Region sehen.

Allein in Witten sind in den letzten Jahren ca. 1500 Industriearbeitsplätze abgebaut worden, in Bochum wo ich wohne sind es in 16 Jahren sogar über 20.000. Dazu kommen immer weiter steigende Belastungen durch Flexibilisierung und Arbeitsdruck, oder dass die Ausbildung zurück­gefahren und kaum ein Auslerner übernommen wird.

Das wirft zahlreiche Fragen auf, die nicht nur die Beschäftigten bei uns im Werk betreffen sondern auch die Bürgerinnen und Bürger in Witten. Wir Vertrauensleute haben uns seit langem für andere Lösungen eingesetzt.

So beweist ja die Kurzarbeit, dass mit Arbeitszeitverkürzung Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden können.

Das ist ein Ansatz der außerdem auch Belastungen reduziert.

Weiter sorgt die Rentenpolitik dafür, dass sich immer weniger die Abschläge bei vorzeitigem Ausscheiden leisten können.

Manche würden gerne einem jungen Kollegen Platz machen wenn es finanziell möglich wäre. Solche Vorschläge halten die meisten erstmal für unrealistisch.

Ich meine aber, dass das in einer so reichen Gesellschaft wie unserer doch wohl bezahlbar ist und setze mich lieber für mutige Ideen ein als den Kopf in den Sand zu stecken.

2017  AUF Witten - Um uns selbst müssen wir uns selber kümmern