Das hat System!

Kategorie: HP Pelzer Chemie
Veröffentlicht: Freitag, 1. November 2013
Geschrieben von Peter Spyrka
Peter Spyrka kämpft seit vielen Jahren darum, dass ihm seine Rechte zugestanden werden!
Peter Spyrka kämpft seit vielen Jahren darum, dass ihm seine Rechte zugestanden werden!

von Peter Spyrka, Mitglied in AUF Witten

Wieder ein Todesfall bei HP Pelzer Chemie: ein Arbeiter, gestorben mit nur 51 Jahren! Von meiner alten Abteilung, in der ich bis 2003 beschäftigt war, sind nach meinem unvollständigen Überblick von rund 150 Arbeitern bereits 51 frühzeitig und teilweise qualvoll gestorben – in der Mehrzahl durch Krebs.

Doch das ist nicht nur ein Problem besonders krasser Firmen wie HP Pelzer Chemie oder Envio Dortmund. Vielmehr handelt es sich um ein ganzes System der Vertuschung, Duldung und Billigung, in das auch Arbeitnehmervertreter, Berufsgenossenschaft, Ärzte, Aufsichtsbehörden, Richter und Politiker bis in die höchsten Ebenen verstrickt sind.

Alles ist auf den Kopf gestellt

In der Anfrage von Ratsmitglied Achim Czylwick (AUF Witten) an die Bürgermeisterin zurVergiftung am Arbeitsplatz bei HP Pelzer Chemie und Umweltbelastung“ wird ein Pelzerarbeiter zitiert: „Alles ist auf den Kopf gestellt: wir müssen der Firma nachweisen, dass sie uns vergiftet. Die Firma muss nichts nachweisen. Es reicht, wenn sie sagt, sie hält sich an die Vorschriften.“

Diese Anfrage datierte vom 7.11.2012. Am 7.7.2011 hatte ich bereits, nach vielen bisher vergeblichen Versuchen, die Vergiftung aufzuklären und als Ursache für meine Arbeitsunfähigkeit anerkennen zu lassen, mich in einer Petition an den Landtag NRW gewandt.

Obwohl beide Schreiben zeitlich erheblich auseinander liegen, kam fast zeitgleich die Antwort, Anfang 2013.

An mich von der Präsidentin des Landtags NRW und an AUF Witten von der Bezirksregierung Arnsberg. Inhalt und zum Teil Wortwahl waren fast identisch, sodass man annehmen muss, dass der Landtag die Stellungnahme aus Arnsberg einfach nur übernimmt.

Die Bezirksregierung in Arnsberg aber hat eine traurige Berühmtheit dadurch erlangt, dass sie der PCB-Vergiftung der Envio-Arbeiter in Dortmund jahrelang tatenlos zugesehen hat.

Zu HP Pelzer jetzt wird behauptet, dass bei mehrfacher Überprüfung der Firma „die vorgefundenen Arbeitsschutzmaßnahmen aber nie so gravierend waren, dass eine unmittelbare Gefährdung bestanden hätte, auch weil die arbeitsplatzbezogenen Luftgrenzwerte eingehalten wurden und die erforderliche persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stand.“

Das ist gegenüber den 51 frühverstorbenen Kollegen und einer mir nicht bekannten Zahl ernsthaft Erkrankter ungeheuer zynisch und schlichtweg gelogen.

Widerstand Nötig

Stellt sich noch die Frage, wieso Envio aufgeflogen ist und Pelzer nicht nur gedeckt wird, sondern auch Millionensubventionen kassieren konnte?

HP Pelzer stellt Dämmmaterial für Autos her. Skandale über Vergiftungen in der Produktion und Ausgasungen in neuen Autos wären schlecht fürs Geschäft mit Millionen Fahrzeugen.

Und zwar nicht nur der bedeutendsten Konzerne in Deutschland, sondern auch für das dahinterstehende Finanzkapital. Eine so große Nummer für Beamte und Politiker, dass sie sogar ihre eigenen Gesetze missachten.

Doch liebe Leserin, lieber Leser, was haben wir zu verlieren? Sollen wir weiter zum Tod verurteilt sein? Nur wer sich wehrt, kommt zu seinem Recht. Wenn viele sich wehren, kann auch das herrschende Unrecht beendet werden.