Zweiter Pelzer-Brand in zwei Jahren: Alles ganz harmlos?

Brand bei HP Pelzer vor 2 Jahren. Auch zu der Zeit sei schon alles ganz harmlos gewesen.
Brand bei HP Pelzer vor 2 Jahren. Auch zu der Zeit sei schon alles ganz harmlos gewesen.

Herr Augstein von der WAZ Witten stellt in seinem Kommentar berechtigt die Frage „Warum schon wieder Pelzer?“

Diese Frage aber an den Chemiekonzern selber zu richten, dürfte sich nach den bisherigen Erfahrungen mit seiner Vertuschungspolitik eher als vergeblich erweisen.

Dagegen ist die aufgeworfene Frage, ob die Produktion etwa so gefährlich sei, schon beantwortet. Und zwar anhand der Tatsache, dass über die Hälfte der Belegschaft einer Dämmstoffproduktionslinie, um die 55 Arbeiter, frühzeitig und überwiegend an Krebserkrankungen verstorben sind, die zahlreichen Erkrankten nicht gerechnet.

Doch ungeachtet dieser Tatsache haben die Überwachungsbehörden beim Brand vor zwei Jahren mit einer kilometerweit sichtbaren schwarzen Qualmwolke keine nennenswerten Giftverseuchungen gefunden. In der Wolke selbst wurde nicht gemessen, weil mit einem „Verdünnungseffekt“ in den oberen Luftschichten gerechnet wurde. Deshalb wurden auch die von AUF Witten in einer Anfrage an die Bürgermeisterin vorgeschlagenen, für die Pelzerproduktion typischen Gifte wie Cyanwasserstoffe, Ammoniak und Formaldehyd, überhaupt nicht untersucht, ebensowenig wurden Proben von umliegenden Feldfrüchten genommen.

Jetzt soll der Brand angeblich sogar viel harmloser sein als vor 2 Jahren. Von wem soll der besorgte Wittener also erwarten, dass „alles auf den Prüfstand“ gestellt wird, wie der WAZ-Kommentar fordert?

Ich stelle ich mal die einfache Frage: wenn in der Vergangenheit bei den gewerblichen Umweltuntersuchungen der Produktion des öfteren erhebliche Überschreitungen der zulässigen Giftwerte gefunden wurden, wieso findet man dann nichts, wenn die ganze Bude abbrennt?

Vergiftung von Menschen legal?

Mittlerweile gibt es 40 Todesopfer durch die tödlichen Zustände bei HP Pelzer zu beklagen.
Mittlerweile gibt es 40 Todesopfer durch die tödlichen Zustände bei HP Pelzer zu beklagen.
Dem regelmäßigen Leser von Witten im AUFbruch dürfte nicht entgangen sein, dass seit Jahren die tödlichen Zustände bei dem Wittener Autozulieferer HP Pelzer Chemie totgeschwiegen werden, als wären sie gar nicht da.
Mittlerweile gibt es 40 Todesopfer zu beklagen. Auslöser für ihre Erkrankungen waren die an der Decke hängenden Gifte, wie etwa Cyanid oder Benzol (siehe Witten im AUFbruch 2/2011).
Die Konzentration ist zum Teil doppelt so hoch, wie die für den Menschen tödliche Dosis.
Ein neuer Fall ist nun bekannt geworden. Rudi L., langjährig Beschäftigter bei HP Pelzer, erkrankte an Blasenkrebs. Die Behandlung lief zunächst erfolgreich.

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Guantanamo bei HP Pelzer Chemie

Vier der Arbeiter sind im Kantinencontainer untergebracht, wo sie ohne Beschäftigung ihre Arbeitszeit von 8 bis 16 Uhr absitzen müssen.
Vier der Arbeiter sind im Kantinencontainer untergebracht, wo sie ohne Beschäftigung ihre Arbeitszeit von 8 bis 16 Uhr absitzen müssen.

Achtung! Tatsächlich geriet der unten angesprochene Pelzer-Kollege in Lebensgefahr! Lesen Sie dazu das Interview Guantanamo bei HP Pelzer Chemie Teil II

Von mehreren Pelzer-Kollegen, die erfolgreich gegen ihre Kündigung vorgegangen sind und teilweise, weil sie über 60 Jahre alt sind, mit Abfindungen ausgeschieden sind, blieben fünf unter 60 jährige Arbeiter übrig, die selbst mit Abfindungen von bis zu 50.000 € ihren Arbeitsplatz nicht aufgeben wollen.

Vielmehr bestehen sie auf dem ihnen vom Arbeitsgericht Bochum und Landesarbeitsgericht Hamm zugesprochenen Weiterbeschäftigungsanspruch.

Genauso zynisch wie die Firma HP Pelzer über Jahre hinweg Beschäftigte ungeschützt aggressiven Giften ausgesetzt hat, was über die Hälfte der betroffenen Belegschaft, aktuell 36 Arbeitern, das Leben gekostet hat, genauso zynisch verfährt sie jetzt mit den Überlebenden.

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