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Husemannstraße: Unfassbare Schlampereien

Umverteilungspolitik
Samstag, den 05. November 2011

Von Romeo Frey – Sprecher im Vorstand von AUF Witten

Erst im Jahre 2007 wurde nach Erneuerung des Abwasserkanals der Fahrbahnbereich der Husemannstraße komplett erneuert. Mittlerweile ist der Zustand für jedermann sichtbar nur noch als katastrophal zu bezeichnen. Ursachen hierfür sind gravierende Ausführungsmängel seitens der beauftragten Tiefbaufirma sowie eine nur als dilettantisch zu bezeichnende völlig unfähige Baustellenbetreuung und -überwachung durch das zuständige städtische Tiefbauamt.

Von Anbeginn Murks

Selbst für einen nicht sach- und fachkundigen Bürger waren bereits unmittelbar nach Fertigstellung beim Befahren der Husemannstraße gravierende Mängel zu erkennen:

  • eine zum Teil unüblich grobe Körnung der Teeroberfläche

  • merkbare Unebenheiten im Fahrbahnverlauf

  • vor allem der „kritzelhafte“ Verlauf der Mittelnaht,

  • das fehlende Bitumenfugenband (TOK-Band) und

  • die deutlich erkennbare Rillenausbildung (fehlendes Teermaterial)

Eigentlich sollten solche Mängel auch jedem halbwegs sach- und fachkundigen Bediensteten der Stadtverwaltung aufgefallen sein.

Falschabnahme

Nicht so für die zuständigen Verantwortlichen des Tiefbauamtes der Stadt Witten. Bei der Abnahme konnten zwei Tiefbaumitarbeiter „Keine Mängel“ erkennen und bescheinigten im Abnahmeprotokoll entgegen der vorstehend aufgeführten, deutlich erkennbaren Beanstandungen eine absolute Mangelfreiheit, natürlich zu Gunsten des Auftragnehmers!

Einer dieser Bediensteten war sogar der zuständige Abteilungsleiter, ließ aber vorsichtshalber das Abnahmeprotokoll von seinem begleitenden Mitarbeiter abzeichnen. Wie abgefahren ist das denn?

Weitere Mängel

Schon Anfang 2008 wurden weitere Ausführungsmängel in der Fahrbahnoberfläche sichtbar. Im Bereich von Kanaldeckeln und Absperrschiebern traten erhebliche, verkehrsgefährdende Absackungen auf. Diese führten zudem zwangsläufig zur unnötigen Materialbelastung (Stoßdämpfer, etc.) an Kraftfahrzeugen.

Dilletantismus

Trotz der massiven Schlaglöcher und erheblichen Gefährdung wurde erst im Jahre 2010 von der Stadtverwaltung die Mängelbeseitigung der Absackungen durchgesetzt. Seit Frühjahr 2011 ist aber deutlich zu sehen, dass die Nachbesserung im Bereich der Absperrschieber äußerst mangelhaft ist und nochmals nachgebessert werden muss. Das ist bis heute nicht erfolgt!

Der gravierende Mangel an der Mittelnaht ist heute, 4 Jahre nach Fertigstellung, immer noch nicht behoben. Obwohl vom Tiefbauamt drei vermeintliche Ausführungstermine zur Mängelbeseitigung verbindlich genannt wurden. Bautechnisch geht in diesem Jahr nichts mehr und der Winter steht unmittelbar bevor!

Bereits nach dem letzten Winter wurden vom städtischen Bauhof rund 10 Aufbruchstellen provisorisch mit Kaltteer geschlossen. Warum eigentlich nicht von und auf Kosten der Auftragsfirma? Nach Ende des bevorstehenden Winters wird die Fahrbahndecke der Husemannstraße vermutlich zur Schlaglochstrecke geworden sein. Letztendlich müsste für einen ordnungsgemäßen Zustand sowie langjährige Standfestigkeit der Fahrbahnfläche die Deckschicht komplett abgefräst und erneuert werden.

Da bei der Bauabnahme fahrlässigerweise von Bediensteten des Tiefbauamtes aber eine absolute Mängelfreiheit bescheinigt wurde, dürfte es juristische Probleme geben, die Gewährleistung für erforderliche Nachbesserungen durchzusetzen. Folglich könnten erhebliche Kosten auf die Stadt und damit auf die Bürgerinnen und Bürger zu kommen.

Fehlende Konsequenzen

In jeder verantwortungsvoll, nach wirtschaftlichen Grundsätzen geführten Stadtverwaltung wäre eine umfassende und schonungslose Aufklärung dieses peinlichen Fehlverhaltens selbstverständlich. Arbeitsrechtliche Konsequenzen für die zuständigen Bediensteten infolge Inkompetenz und fahrlässigster Pflichtverletzung unausweichlich.

Nicht so bei der Stadtverwaltung Witten. Hier wird sogar an eine Beförderung des für die Schlampereien und die Unfähigkeit verantwortlichen Abteilungsleiters zur Leitenden Führungskraft einer neuen städtischen Einrichtung gedacht.

Fazit

Der skandalöse Fall Husemannstraße ist nur ein besonders sichtbares Beispiel für erschreckende Missstände insgesamt, der Fisch stinkt vom Kopfe her. Aus Platzgründen nur Stichpunkte:

Kanalerneuerung Akazienweg, Unregelmäßigkeiten bei der Sanierung Turnhalle Grundschule Buchholz, Mehrkosten infolge Inkompetenz bei Dachsanierung Pestalozzischule, Bau und Unterhaltung Bushaltestelle Rathaus, Kanalerneuerung Ardeystraße, fehlender Bilderbestand Museum, Diebstahl-Affäre und massive Führungsprobleme bei der VHS, kriminelle Unregelmäßigkeiten Siedlungsgesellschaft.

Bei der Abwasserkanalsanierung im Verlauf der Ardeystraße wird die erst vor fünf Jahren kostenaufwendig erneuerte Fahrbahndecke wieder aufgerissen, weil die zuständigen „Experten“ erst jetzt im Stande sind, den dringend erneuerungsbedürftigen Zustand der Kanalrohre zu erkennen. Auf Kosten der Steuerzahler sowie möglicherweise der Anlieger wird hier eine unvorstellbare Schlamperei beseitigt.

Es ist absolut inakzeptabel, Missstände durch unglaubwürdige Begründungen zurecht zu biegen und Inkompetenz weiter zu vertuschen.

Hier sind nachhaltige Konsequenzen längst überfällig, beginnend mit der Übernahme der politischen Verantwortung durch die Bürgermeisterin und ihr Führungspersonal in Verwaltung und städtischen Betrieben.