Gaspreiskrimi der Stadtwerke |
| Preispolitik | ||
| Samstag, den 07. November 2009 | ||
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von Romeo Frey, Sprecher im Vorstand von AUF Witten Bereits mehrfach haben wir die hohen Energie- und Wasserpreise der Stadtwerke Witten thematisiert und belegt. Anlässlich der vielerorts zur Heizperiode 2009/2010 zum 1. Oktober 2009 erfolgten Gaspreis-Senkung bestätigte sich dieser Sachverhalt ein weiteres Mal. Dazu lieferten die Stadtwerke noch ein regelrechtes Informationschaos. Verkalkuliert?Mit Schreiben vom 18.08.2009 teilten die Stadtwerke rund 4.000 Kunden mit, der bestehende Liefervertrag über das Gasprodukt rewirflamme vario würde zum 30.09.2009 gekündigt. Dazu gab es ein neues Vertragsangebot mit Beginn 01.10.2009 zu einem "noch günstigeren" Arbeitspreis von 5,71 Ct. pro Kilowattstunde sowie Grundpreis 15,99 € pro Monat (Bruttoendpreise). Wenige Tage später wurden die aufwendig angeschriebenen Kunden in der örtlichen Presse von den Stadtwerken selbst aufgefordert, mit dem Abschluss des angeblich noch günstigeren Liefervertrages noch zu warten. Mit Schreiben der Stadtwerke vom 25.08.2009 wurden die Kunden direkt informiert, sie sollten den neuen Vertrag nicht abschließen, er sei ungültig: "Aufgrund aktueller Entwicklungen am Gasmarkt kalkulieren wir die Ihnen mitgeteilten Preise nun noch einmal neu und werden Ihnen Mitte September ein verbessertes Gaspreisangebot unterbreiten." Diese von der Konkurrenz hämisch verfolgte Lachnummer hatte einen einfachen Grund: in der Tagespresse war ein Preisvergleich verschiedener Anbieter erschienen und die Stadtwerke als Schlusslicht und teuerster Erdgasanbieter aufgeführt worden. Gleichzeitig erfolgten von mehreren auswärtigen Anbietern, u.a. RWE, konzentrierte Kundenanwerbungsaktionen im Versorgungsgebiet der Stadtwerke. ewmr-Partner günstiger und verlässlichEs geht auch anders: Die Stadtwerke Bochum und Herne setzten bereits im August die Lieferpreise für das gemeinsam im ewmr-Verbund vertriebene Produkt rewirflamme vario zum 1. Oktober 2009 verbindlich, für den Kunden verlässlich und günstiger fest. Der Arbeitspreis in Bochum mit 5,30 Ct./kWh bzw. Herne mit 5,33 Ct./kWh lag deutlich unter dem angeblich"noch günstigeren" Preisangebot der Stadtwerke Witten von 5,71 Ct./kWh. Erst Mitte September besserte Witten nach auf 5,24 Ct./kWh. "Geht doch", könnte man sagen. Das aber wäre doch zu einfach.
Unvermögen oder Abzocke?Der ewmr-Verbund (bestehend aus den Stadtwerken Bochum, Herne und Witten) wurde zur Sicherung des wettbewerbsfähigen Energieeinkaufs im Jahre 1998 gegründet. Da dürften die Einkaufspreise doch für alle gleich sein. Wieso können die Verkaufspreise dann so extrem abweichen? Lag eine falsche Marktanalyse vor? Oder sollte bewusst ein mickriger Unternehmensgewinn mit Kundenabzocke aufgebessert werden? Fehlende Transparenz und KontrolleEines ist klar: Das Management der Stadtwerke Witten hat sich ungenügend mit den Stadtwerken Bochum und Herne abgestimmt. Das ist verantwortungslos gegenüber den Wittener Bürgern, die von einem 100%-igen städtischen Unternehmen erwarten dürfen, dass ihnen zu jeder Zeit das möglichst günstigste und beste Produkt geliefert wird. Offenbar ist für gewisse Angestellte der Stadtwerke Witten ihre eigene Versorgung wichtiger. Schon mehrfach haben wir Privilegien und Zusatzeinkünfte dieser Herren und das Versagen des Aufsichtsrats unter Vorsitz der Bürgermeisterin kritisiert, der diese Privilegien absegnet und in dieses System auch Mitglieder des Betriebsrats einbindet. Wie qualifiziert sind eigentlich die Verantwortlichen für das Informations- und Kalkulkations-Chaos? Zwischen dem Ergebnis, das der Kunde ausbaden soll, und dem Gehaltsniveau klafft augenscheinlich eine riesige Lücke. Gewissen Prokuristen ist es sogar gelungen, zusätzlich zur hohen Vergütung, die Nettoerstattung ihrer Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung durch die Stadtwerke zu erreichen. All dies gehört endlich auf den Prüfstand und beseitigt. Diese fragwürdigen Privilegien belasten nicht nur die Tarife. Letztlich gefährden solche Praktiken die Existenz der Stadtwerke. Zu ordentlich geführten städtischen Stadtwerken gibt es aber keine Alternative, weil sie am kundenfreundlichsten und am günstigsten arbeiten können. Das aber geht nur, wenn Schluss gemacht wird mit Privilegien, undurchsichtigen politischen Einflussnahmen und der Verweigerung einer öffentlichen Kontrolle durch verantwortungsbewusste Ratsmitglieder. Die jüngste Peinlichkeit kostet nicht nur Image, sondern auch Geld: Zwei Mal Briefporto, Einstampfen ungültiger Lieferverträge, Personalkosten, Büromaterial – da dürften rund 10.000 € zusammenkommen. Solche Summen nimmt der Assistent der Geschäftsführung und Justitiar der Stadtwerke, Thomas C., nicht ernst. Bei einem Gas-Einkaufsvolumen von über 500 Mio. € wirke sich das auf den Preis nicht aus, äußerte er schon früher zu unseren Kritiken. Aus alledem ergibt sich die Notwendigkeit einer politischen Arbeit, wie AUF Witten sie praktiziert. Jeder kann dabei mitmachen – den Nutzen davon haben wir alle! |

