Anfrage zu Vergiftung der Umwelt durch den Brand bei HP Pelzer Chemie

Nach dem jüngsten Brand bei der Firma HP Pelzer Chemie in Witten Annen hat unser Ratsmitglied Achim Czylwick folgende Anfrage gestellt:

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,

wiederholt hatte ich Anfragen zur Umweltbelastung durch die Firma HP Pelzer Chemie an Sie gestellt, so am 07.11.2012 und auch schon am 07.08.2006.

Das Versagen der Aufsicht der Bezirksregierung, wie es anhand des Envio-Skandals in Dortmund offenbar wurde, fordert die öffentliche Wachsamkeit geradezu heraus, zumal die gehäuften Todesfälle mit über 50 frühzeitig verstorbenen Chemiearbeitern von Pelzer bis zum heutigen Tage nicht aufgeklärt worden sind. Auffällig und besorgniserregend ist, dass die Frühverstorbenen Dämmmaterial für Automobile hergestellt haben, also genau dieselben Produkte, die auch in der abgebrannten Halle 11 produziert wurden.

Als in Frage kommenden Gifte werden seit Jahren Cyanid, Phosgen, Dioxin, Ammoniak, Methylenchlorid und Dichlormethan aufgeführt, erstmals vor Jahren nachgewiesen durch eine chemische Analyse von Auflagerungen an einer Hallendecke.

Durch den Brand könnten diese Gifte in größerem Umfang freigesetzt worden sein. Überdies muss man davon ausgehen, dass die Schadstoffe seit Jahren auf die Umwelt übergegangen sind.

Die bisherigen Angaben in den Medien zu den in Brand geratenen Stoffen sind nicht hilfreich, sondern verwirrend. „Kunststoffgranulat“ als Oberbegriff sagt wenig aus über das Gefahrenpotential. Außerdem stellt sich die Frage, wieso in einer Produktionshalle von Dämmmaterialien 20.000 Liter Öl gelagert werden, obwohl diese Produkte nicht aus Öl hergestellt werden? Sinn dagegen machen würde Isocyanat, das wie Öl in 200 l Fässern gelagert wird und zur Produktion benötigt wird.

Aus dieser Sachlage heraus folgende Fragen:

1.    Gibt es überhaupt Nachweise über den Kauf und Lagerung so großer Ölmengen bei Pelzer Chemie Witten? Wo und in welcher Menge wurde das Isocyanat gelagert und können die Beschaffungsmengen von Isocyanat nachgehalten werden?

2.    Gehört es zu den Ermittlungen, Schutzbehauptungen der Firmenleitung über die in Brand geratenen Stoffe zu hinterfragen und akribisch nachzuprüfen, um Gesundheitsgefahren von der Bevölkerung abzuwenden?

3.    Was gedenkt die Stadt zum Schutz der betroffenen Arbeiter und zur Aufklärung der Umweltbelastung durch die Firma HP Pelzer Chemie zu unternehmen?

4.    Erfolgten die Schadstoffmessungen innerhalb der schwarzen Rauchwolke, weil ja davon auszugehen ist, dass sich diese Wolke auch irgendwann mal auf dem Boden absetzt? Werden aus diesem Grund auch Bodenmessungen und Messungen bei Feldfrüchten in den umliegenden Kleingartenanlagen veranlasst, inwieweit das selbst angebaute Obst und Gemüse unbedenklich einzustufen ist oder Schadstoffe angereichert hat?

5.    Wurde die vom staatlichen Gewerbeaufsichtsamt mehrfach in der Vergangenheit bemängelte systematische Entfernung der Aufkleber auf den Chemiefässern abgestellt? Liegen entsprechende Kontrollberichte vor? Wie wird mit der offensichtlich über Jahre auf direkte Veranlassung der Firmeninhaber betriebenen Vertuschung des Gefährdungspotentials angesichts des Brandes vorgegangen?

6.    Wurde gezielt nach folgenden Vergiftungen der Atmosphäre durch Cyanwasserstoffe, Ammoniak und Formaldehyd gesucht, weil diese bei Verbrennung von Harzen entstehen. Harze sind Ausgangsmaterial der Produktion von Dämmstoffen.

7.    Wie stehen Sie zu der Forderung nach einer unabhängigen toxikologischen Untersuchung?

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez.                                                  

Achim Czylwick

Ratsmitglied

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