Seit 1886...

Achim Czylwick setzt sich für einen kämpferischen 1. Mai mit starken Demonstrationen ein.
Achim Czylwick setzt sich für einen kämpferischen 1. Mai mit starken Demonstrationen ein.

Von Achim Czylwick – Ratsmitglied (AUF Witten)

Keine Sorge, die Überschrift ist kein Einstieg in ein Rätsel. Es geht um den 1. Mai. Das ist ein ganz besonderer Monatsanfang, mit keinem anderen auch nur annähernd zu vergleichen. An diesem Tag im Jahre 1886 kämpften erstmals Arbeiter, nämlich in Chicago, für den Achtstundentag. Dafür wurden Arbeiterführer von der US-Justiz zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der allgemeine Arbeiterkongress zu Baltimore erklärte daraufhin, den Achtstundentag erst recht durchzusetzen.

Das war der Ausgangspunkt für eine weltweite Bewegung für den Achtstundentag. Der Gründungskongress der II. Internationale in Paris erklärte 1889 den 1. Mai zum Fest- und Kampftag der Arbeiterklasse.

Teilnahme musste erkämpft werden

Schon am 1. Mai 1890 wurde diese Bewegung zur „Heerschau des europäischen und amerikanischen Proletariats über seine mobil gemachten Kräfte ... unter einer Fahne und für ein Ziel“, wie Friedrich Engels begeistert schrieb.

Der „Verein der Metallindustriellen“ forderte in einem an seine Mitglieder geschickten Zirkular die Entlassung aller Arbeiter, die an der Maidemonstration teilnehmen sollten. Ungeachtet der Verfolgung gingen allein in Hamburg hunderttausend Arbeiter auf die Straße.

In den folgenden Jahren wurde am 1. Mai auch gegen Krieg, Faschismus und für politische Rechte demonstriert.

Die Teilnahme war oft mit Streik verbunden oder musste von den Herrschenden zähneknirschend gestattet werden. Ein Feiertag war das nicht.

Der Tag der Arbeit ...

... ist eine Erfindung der Nazis. Mit ihrem Machtantritt vor 80 Jahren verboten sie sofort die KPD, die Gewerkschaften und die SPD. Einen 1. Mai der Arbeiterbewegung sollte es nie mehr geben. Statt von Arbeitern und Kapitalisten wurde nur noch von sogenannten Volksgenossen gesprochen. Der Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung wurde mit Konzentrationslager bestraft.

Dieser Tag der Arbeit genannte 1. Mai war ganz im Sinne der Großkonzerne wie u.a. Thyssen und Krupp. Aus dem ehemaligen Kampftag wurde ein Feiertag gemacht und wie eine Art Erntedankfest begangen. Die Nazis verhöhnten damit die revolutionäre Arbeiterbewegung überall auf der Welt.

Machtdemonstration 1. Mai

Der Jugend eine Zukunft!
Der Jugend eine Zukunft!

Nach dem Sieg über die Nazis und Ende des II. Weltkriegs eroberte sich die Arbeiterbewegung ihren Kampftag zurück. Es gab große kämpferische Demonstrationen wie um den Achtstundentag.

Das brachte deutschlandweit Millionen auf die Straßen.

Man stelle sich für einen Moment vor, dass der größere Teil der Beschäftigten in Witten zum 1. Mai demonstrieren würde, das wären weit über 10.000! Der Rathausplatz wäre bis zum letzten Quadratzentimeter eine einzige Menschenmasse.

Man stelle sich jetzt solche Demonstrationen in allen Städten Deutschlands vor und man beginnt zu ahnen, warum das eine Machtdemonstration ist, vor der die Vertreter des Kapitals zittern und die sie daher unbedingt verhindern wollen.

Wer an solchen machtvollen Demonstrationen teilnahm, konnte selbst sehen, wie stark die Arbeiterbewegung sein kann.

Doch nach dem erneuten Verbot der KPD 1956 und mit dem Godesberger Programm der SPD von 1959 wurde in den Gewerkschaften mehr und mehr auf die Zusammenarbeit mit den Unternehmern gesetzt.

Erst recht, als die SPD mit an die Regierung kam.

Seit den 1960er Jahren gab es massive Bestrebungen, diese Machtdemonstration zum 1. Mai zu unterbinden.

Der damalige Wirtschaftsaufschwung wurde so gedeutet, dass der 1. Mai als Kampftag nicht mehr tauge und es wieder um einen Feiertag gehen müsse.

Das zog eine Zeitlang. Es wurde dann aber mehr und mehr zum Ärgernis der noch teilnehmenden Kollegen, sich die heuchlerischen Reden von irgendwelchen Politikern anhören zu müssen, die die „Versöhnung von Arbeit und Kapital“ predigten.

Die Teilnahme von Kollegen ohne Funktion in der Gewerkschaft oder in der SPD ging immer mehr zurück. Denn in ihrer Realität gab es keine Versöhnung. Wie wir heute sehen, hat die Aufgabe des Kampfes nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich aufs gigantische geöffnet.

Wir stehen wieder an einem Wendepunkt

Text vom Bild: Eure Armut kotzt uns an!
Text vom Bild: Eure Armut kotzt uns an!

Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise ist nicht überwunden, die deutschen Sonderfaktoren sind bald aufgebraucht.

Die Verschuldung der Städte und Gemeinden ist weiter gestiegen und wird weiter steigen. Höhere Grundsteuern und Gebühren, weniger Leistungen und teurere Kinderbetreuung sind Realität.

Die weitere Erhöhung des Rentenalters ist für die Zeit nach der Bundestagswahl geplant, die Senkung des allgemeinen Lohnniveaus durch Leiharbeit wird beschleunigt. Statt Perspektive haben wir eine schnell wachsende Massenarmut und Jugendarbeitslosigkeit. Dazu ein weiterer Abbau unserer Rechte und Freiheiten. Ein wirkliches Streikrecht gibt es nach wie vor nicht!

Auch dass Banken und Konzerne ihre „Lasten“ aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise auf uns abwälzen, um ihre Profite zu sichern, wird weitergehen.

Zypern ist auch nicht weit. Der Weg zur Plünderung unserer Spareinlagen wurde in der EU freigemacht, allen Dementis zum Trotz.

Fazit: Der 1. Mai ist immer Teil einer Weltbewegung, das macht ihn so stark und unüberwindbar. Ich würde mir als Kommunalpolitiker wünschen, dass der 1. Mai auch in Witten wieder zur Machtdemonstration der Arbeiter und Angestellten wird.

Darum sollte jeder teilnehmen, der nicht akzeptiert, dass der Kapitalismus das Ende der Geschichte sein soll und die Menschen deshalb für alle Zeiten in Arm und Reich getrennt werden.

Für eine lebenswerte, auf den Menschen zugeschnittene Zukunft, anstatt die Zukunft der Diktatur der Finanzmärkte zu opfern. Wie wäre das?!

 
2017  AUF Witten - Um uns selbst müssen wir uns selber kümmern