Situation bei der Tafel e.V. in Witten

Folgender Brief zur Situation bei der Tafel für Betroffen an die Bürgermeisterin hat uns erreicht. Wir dokumentieren ihn hier in voller länge:

 

Frau Bürgermeisterin S. Leidemann,

wir möchten Sie informieren über die Situation der Tafel e.V. in Witten.

Die Zahl der Bedürftigen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und wird weiter zunehmen. Darauf hat die Tafel bislang kaum reagiert. Viele sind enttäuscht und kommen nicht mehr.

  • Räumlichkeiten sind sehr beengt

  • Nur wenige Stunden geöffnet, bei Warenlieferung müssen die Kunden den Raum verlassen

  • Keine Sitzmöglichkeiten für Behinderte und ältere Kunden!

  • Die Warteschlange ist größtenteils nicht überdacht und damit

  • Witterungseinflüssen ausgeliefert

  • Während des Einkaufs müssen die Kinder draußen warten!

  • Kein Toilettenzugang - auch nicht während der Frühstücks- und Essensausgabe!

  • Keine festen Preise, Reklamationen von ungenießbaren Lebensmitteln nicht möglich, "ist doch alles schon so billig!"

  • Oft herrscht eine gereizte Atmosphäre

  • Ungleichbehandlung der Kunden

  • Nicht jede gespendete Ware kommt bei den Bedürftigen an…

  • Sehr wohltuend ist die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, die mit Freude, Hingabe und Fürsorge für eine angenehme Stimmung sorgen!

Die Gemeinnützigkeit der Tafel stellen wir infrage, seitdem Bedürftigen der Zugang zum Frühstück, wenn sie auch im Laden einkaufen wollen, verwehrt wird! Begründung: Der Zulauf ist zu groß - zu teuer!

Gleichzeitig lädt dieser Verein (s. Presseartikel WAZ v. 17.08.2013) JEDE(N) Wittener BürgerIn - "auch die Bürgermeisterin kann kommen" - ein, kostenlos bei der Tafel zu essen. Abgesehen davon, dass sich ohne Grund kaum Menschen in diese Räumlichkeiten verirren, erst recht nicht um dort zu speisen, möchten wir Sie dennoch bitten, dort einmal - unangemeldet - Platz zu nehmen. Sie haben Zugang, viele Bedürftige eben nicht mehr!

Das Prinzip der Tafel e.V. zusammengefasst: Abgelegte Lebensmittel werden eingesammelt, mit einem Lieferwagen durch Witten gefahren, um sie anschließend zu einem beliebigen Preis zu verkaufen. (Wer prüft Ein- und Ausgaben?) Die restliche Ware landet oft im Müll (wie hoch sind die Müllgebühren?), anstatt diese frühzeitig an die Menschen zu verschenken…

Wir wünschen uns eine direkte Versorgung in den einzelnen Stadtteilen. Einige Kirchengemeinden und Initiativen bieten bereits Frühstück bzw. Mittagessen an. Dort sind oft neue Gemeinschaften entstanden und es könnten noch mehr werden… unabhängig von der Herkunft eines Menschen

bzw. dem materiellen Reichtum eine jeden Einzelnen. Die Gutscheine der Sponsoren müssten nicht mehr bei der Tafel eingelöst werden, sondern jeder Bedürftige könnte im Supermarkt/Bäcker seiner Wahl zum Sonderpreis einkaufen:

Bei freier Auswahl, Frische, ohne lange Warteschlangen, keine Schließungen zwischendurch, Öffnungszeiten von mehr als 3 Std. am Tag und unsere Kinder würden nicht mehr ausgegrenzt…

Frau Leidemann, Sie sind auch Bürgermeisterin der Armen in dieser Stadt!?

Mit Rücksicht auf unsere Familien müssen wir leider anonym bleiben.

 

Wir leben Solidarität in Witten

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nachrichtlich an:

  • Fraktionen und Initiativen im Rat der Stadt Witten

  • Fr. U. von der Leyen (Schirmherrin Bundesverband Deutsche Tafel e.V.)

  • Ordnungsamt Witten

  • Abfallentsorgung, Betriebsamt Witten

  • Amtsgericht Witten

  • Sponsoren

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