Zur Berichterstattung über die Umweltbelastung der Deutschen Edelstahlwerke Witten (DEW)

Wolfgang Seidel hat in mehreren früheren Ausgaben unserer Bündniszeitung Witten im AUFbruch sachkundig Stellung genommen zur Umweltbelastung in Witten durch Feinstäube. Insbesondere hat er sich mit den veröffentlichten Messergebnissen im Umkreis des Wittener Edelstahlwerks beschäftigt und musste dabei seit Jahren feststellen, dass nach wie vor eine kritische Gefährdung insbesondere durch Nickel festzustellen, ohne dass sich substanziell etwas verbessert hätte.

Aktuell ist nun am vergangenen Freitag ein Artikel in der Lokalausgabe der WAZ erschienen, der wie eine Antwort auf die jahrelang vorgebrachten Kritiken anmutet und, freundlicherweise ohne kritische Nachfragen von der Presse, auf der ganzen Linie Entwarnung gibt.

Bevor wir in einer unserer nächsten Ausgaben auf die genaueren Motive dieser, offensichtlich erheblich geschönten Darstellung, der Edelstahlwerke eingehen, veröffentlichen wir eine aktuelle Stellungnahme von Wolfgang Seidel, die er als Leserbrief bereits an die WAZ geschickt hat. Man kann gespannt darauf sein, ob und wieviel die WAZ von seiner Stellungnahme veröffentlichen wird, werden doch sämtlichen euphorischen Lobpreisungen über die umweltschonende Funktion der neuen Entstaubungsanlage, akribisch widerlegt.

Herzliche Grüße an alle unsere Leserinnen und Leser

Romeo Frey – Sprecher im Vorstand von AUF Witten

Leserbrief Wolfgang Seidel vom 17.3.2018

Ich bitte um Veröffentlichung des folgenden Leserbriefes zum Artikel:

Umweltbelastung durch das Edelstahlwerk geht zurück, vom Freitag ,den 16. März 2018

Meiner Meinung nach sollte die DEW schon die Werte und Grenzwerte richtig darstellen. Für Chrom gibt es einen offiziellen Zielwert.Der beträgt 1,7 ng/m³ für Chrom VI und das wird hier gemessen! Wir haben es also durchschnittlich mit einer 38 fachen Überschreitung zu tun. An 334 Tagen im letzten Jahr wurde der Grenzwert gerissen, der eine Lungenkrebserkrankungswahrscheinlichkeit von 1:2500 zulässt. Somit werden allein für Witten 880 Lungenkrebserkrankungen toleriert. Bei der Betrachtung des 24h Grenzwertes erfolgt eine Überschreitung bis zum 137 fachen. Bei Nickel und PM10 (Feinstaub) werden die Zieldurchschnittsjahreswerte erreicht, aber die einzelnen 24 Stunden Werte oft z.T. um ein vielfaches gerissen. Wie die Krebsrate bei der armen Belegschaft ist, wird wohl nie offiziell bekannt gegeben werden.

Als Anlage zu unkontrollierten (nicht überwachten) Staubaustritten füge ich ihnen ein selber dazu aufgenommenes Foto zur gern gesehenen Veröffentlichung bei.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Seidel

Europas Umwelt-Musterknabe

Der Bundesrepublik droht eine Klage der EU-Kommission wegen anhaltender Überschreitung der EU-Abgasgrenzwerte. Bereits Anfang vergangener Woche hat die Bundesregierung eine von Brüssel gesetzte Frist verstreichen lassen, vor deren Ablauf sie Schritte hätte bekanntgeben sollen, um die Belastung deutscher Ballungszentren mit Feinstaub und mit Stickoxiden spürbar zu senken. Aktuell werden die Grenzwerte in rund 120 deutschen Kommunen überschritten und liegen teilweise bei mehr als dem Doppelten des zulässigen Werts, obwohl die EU-Kommission nennenswerte Reduktionen bereits seit Jahren anmahnt. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland jedes Jahr wegen der Luftverschmutzung vorzeitig ums Leben kommen, wird auf bis zu 80.000 geschätzt. Hintergrund des - vorsichtig formuliert - schleppenden Vorgehens gegen Feinstaub und Stickoxide sind Interessen der mächtigen deutschen Autoindustrie. Bei der Umsetzung von EU-Normen ist Deutschland insgesamt Schlusslicht in der Union - nicht zuletzt in den Bereichen Verkehr und Umwelt.

Weiterlesen: Europas Umwelt-Musterknabe

Leserbrief zum Artikel in der WAZ Witten: "Grüne fragen nach Belastung durch DEW"

Leider vergaßen die Grünen zu erwähnen, dass sie erst durch meine wiederholten schriftlichen Anfragen im Juni 2017 durch mich auf ihre Untätigkeit hingewiesen worden sind. Jetzt nach der Wahl und einer meiner Meinung nach 10-jährigen fahrlässigen Untätigkeit bezüglich Umwelt und Schutz der Gesundheit unserer Bevölkerung, kommen sie hinter dem Ofen hervor. Meine Bereitschaft Informationsmaterial vorzustellen, bezüglich aktueller, ständiger Grenzwertüberschreitungen der DEW, insbesondere im Bereich Staubniederschläge von Nickel, die rund um das Werk durch die LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen) gemessen werden, sowie Wichtung und Beobachtung der mir bereits vorliegenden Messergebnisse der Umweltstation am Saalbau wurden seit Juli 2017 nicht von den Grünen wahrgenommen.

Wolfgang Seidel, Bürger der Stadt Witten

Bessere Luft für Witten! Aber wie?

Witten mit seinem Stahlwerk mitten drin kann die seit Jahren bekannten Probleme der Luftqualität nur lösen, wenn der äußerst gefährliche Mix aus industriellem Feinstaub und verkehrsbedingten Emissionen berücksichtigt wird. Das aber ignorieren sowohl die Bezirksregierung Arnsberg als auch die Stadt Witten in ihrem sog. Luftreinhalteplan: die Emissionen des Edelstahlwerks werden willkürlich auf einen Anteil von drei (!) Prozent herunter gerechnet, industrieller Feinstaub gilt so als vernachlässigbar! Gastautor Wolfgang Seidel untersucht kritisch, wie sowohl die Verwaltung der Edelstahlwerke (DEW) wie auch die Verwaltung der Stadt Witten damit umgehen (d. Red.).

„Umweltschutz“ bei DEW

Wolfgang Seidel, Bürger der Stadt Witten, bleibt im Kampf gegen den Feinstaub und der Vertuschung von der Stadt Witten und LANUV hartnäckig
Wolfgang Seidel, Bürger der Stadt Witten, bleibt im Kampf gegen den Feinstaub und der Vertuschung von der Stadt Witten und LANUV hartnäckig

Die Deutschen Edelstahlwerke gehören zur Schmolz + Bickenbach-Gruppe.

Am 19.06.2017 hatte ich Herrn Heumann (Umweltbeauftragter der DEW) angeschrieben zum Thema „umfassender Nachhaltigkeitsbericht“. Da ich leider von ihm keine Antwort erhielt, wandte ich mich an Frau Antje Gräb (Abt.-Ltr. Umwelt- und Klimaschutz).

„Wann ist eigentlich mit dem angekündigten umfassenden Nachhaltigkeitsbericht 2017 zu rechnen? Im letzten Bericht von 2016 hieß es ja: "Von Seiten des Unternehmens wurde festgelegt, dass zukünftig ein umfassender Nachhaltigkeitsbericht jeweils nur noch alle 3 Jahre veröffentlicht wird. Der nächste Nachhaltigkeitsbericht der Deutsche Edelstahlwerke GmbH wird also 2017 erscheinen."

Auch hier keine Antwort. Erst auf telefonische Nachfrage wurde ich an die Schmolz + Bickenbach AG mit Sitz in Luzern/ Schweiz verwiesen, die dann auch antwortete:

„Für das Jahr 2016 gibt es nur den Kurzbericht. Nachdem wir zukünftig den Themenbereich Nachhaltigkeit/Corporate So­cial Responsibility für die gesamte Schmolz+Bickenbach Gruppe (in der DEW inkludiert ist) berichten werden, wird kein langer Nachhaltigkeitsbericht von DEW mehr erscheinen. Die Informationen zu DEW werden dann in diesem Bericht (ab Frühjahr 2018 für das Geschäftsjahr 2017) erscheinen.“

Im erwähnten Kurzbericht wird das Thema Umwelt als Rubrik Risikomanagement abgehandelt:

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